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forum Erwachsenenbildung
Beiträge und Berichte aus der evangelischen Erwachsenenbildung.
Heft 3/2010
Thema: Aufgabe und Arbeitsfeld Evangelischer
Erwachsenenbildung zwischen „didaktischer Eigenständigkeit“ und
Steuerungsinteressen
Heft 2/2010
Thema: Familienbildung als Bildung im Lebenslauf
Heft 1/2010
Thema: Rückblick auf Philipp Melanchthon und andere Bildungsanlässe
Heft 4/2009
Thema: Geschlechterverhältnisse und Bildung. Zur aktuellen Diskussion
Heft 3/2009
Thema: Religion
– im Dialog – in der Transformation
– im Teilnehmenden-Verhalten.
Heft 2/2009
Thema: Zuwanderung als Herausforderung für Eltern- und Familienbildung annehmen Überlegungen, Konzepte, Projekte zur Interkulturellen Öffnung.
Heft 1/2009
Thema: Religion - Glaube - Bildung; Beiträge und Beispiele.
Zum Spektrum religiöser Bildung in der Evangelischen Erwachsenenbildung.
Heft 4/2008
Thema: Dialog der Generationen. Zugänge aus Theorie und Praxis
Heft 3/2008
Thema:Gewalt: Entgegnungen:
Heft 1-2/2008
Thema: Thema: Evangelische Bildungsarbeit und gesellschaftlicher Wandel
Rückblicke auf ihre Anfänge Ausblicke auf neue Aufgaben:
z. B. (Netzwerk) Arbeit für Familien
Heft 4/2007
Thema: Kulturelle Bildung und Erwachsenenbildung
Heft 3/2007
Thema: Werte. Zur Wertedebatte und Wertebildung in der Erwachsenenbildung
Heft 2/2007
Thema: Demografischer Wandel - (Aus)Wirkungen auf die Erwachsenenbildung
Heft 1/2007
Thema: Von Ernst Lange heute lernen. Zur Bedeutsamkeit seines Bildungsverständnisses für eine zukunftsfähige Kirche
Heft 4/2006
Thema: Kooperation und Vernetzung. Aktueller Trends in der Erwachsenen- und Weiterbildung
Heft 3/2006
Thema: Bildung von Anfang an - Interdisziplinäre Perspektiven
Heft 2/2006
Thema: Erwachsenenbildung - Lebenslanges Lernen: ein Spannungsfeld?
Diskurse über Bildungsverantwortung in Kirche und Gesellschaft
Heft 1/2006
Thema: Kräfte wahrnehmen - Übergänge gestalten Bildungsarbeit mit Älteren
Heft 4/2005
Thema: Bildungsherausforderungen und Antwortversuche. Bürgerschaftliches Engagement Handlungsfeld Kirche Gender-Lernen Familien-Bildung
Heft 3/2005
Thema: Doppelte Zukunft Europa - Erwachsenenbildung
Heft 2/2005
Thema: Im Fokus von Bildung
Heft 1/2005
Thema: Orte der Bildung Gestaltung von Bildung
Heft 4/2004
Thema: Bildungsdiskurse aktuell – Bildung für Europa, Lebenslanges Lernen, Protestantismus vermitteln
Heft 3/2004
Thema: Bildungsaufgabe Erziehungskompetenz
Heft 2/2004
Thema: Die Macht der Bilder
Heft 1/2004
Thema: Zukunft der Beziehungsgesellschaft
Heft 4/2003
Thema: Differenzen und Dominanzen – Reflexionen interkultureller Bildungsarbeit
Heft 3/2003
Thema: Frauen – Gender – Bildung
Heft 2/2003
Thema: "Maßstäbe für Bildung: Solidarität und Mündigkeit"
"Maße des Menschlichen" - Beiträge zur Diskussion der Bildungsdenkschrift der EKD
Heft 1/2003
Thema: "Qualität gestalten"
Qualitätsentwicklung - in protestantischer Tradition und im aktuellen bildungspolitischen Diskurs
Heft 4/2002
Thema: "Einsprüche - Positionen - Profile: Zur Praxis der Erwachsenenbildung"
Heft 3/2002
Thema: "Interpendenzen und Wandel: Familienwelten Arbeitswelten"
Heft 2/2002
Thema: "Engagement füs Älterwerden-
Ideen und Konzepte zur Bildungsarbeit mit Älteren"
Bildungsarbeit mit Älteren ist ein wichtiges Arbeitsfeld der
Evangelischen Erwachsenenbildung, dessen Bedeutung noch wachsen wird
Heft 1/2002
Thema: "Religiöse Bildung- Lebenskunst- Kirchenraum"
"Die Kunst zu leben - schön, sinnvoll und gut".
Lebenskunst als Thema und Aufgabe religiöser Bildung
Heft 2/2001
Thema: "Das einzig Beständige ist der Wandel". Organisationsentwicklung - Organisationsperspektiven
Heft 3/2001
Thema: "Geboren, nicht gemacht ..."
Bildung und menschliche Würde im Zeitalter der technischen "Bildbarkeit" des Menschen
Heft 4/2001
Thema: "Gewalt überwinden - Gewaltfrei erziehen"
Herausforderung für die Evangelische Erwachsenenbildung
Heft 3/2010- Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
im Zentrum dieses Heftes stehen die Aufgabe(n) und das Arbeitsfeld Evangelischer Erwachsenenbildung. Thema ist Positionsbestimmung, Vergewisserung und Selbstbehauptung der EEB auf der Folie der aktuellen kirchen- und bildungspolitischen Auseinandersetzungen. Diese Auseinandersetzung ist notwendig, so Marion Fleige, um „das didaktische Proprium der EEB zwischen öffentlichen und kirchlichen Trägern sowie zivilgesellschaftlicher Rahmung, Nachfrage und Partizipation zu bestimmen und zu gestalten“ angesichts der Herausforderungen und Spannungsfelder. Ihr Beitrag, am Ende der Rubrik“ Zur Diskussion“ platziert, erschließt die im Heft geführten und dokumentierten Diskurse und führt sie weiter. Er formuliert die professionellen Anforderungen und die zukünftigen Entwicklungs- und Gestaltungsaufgaben für die EEB.
Die Diskussionen um „didaktische Eigenständigkeit“ (M. Fleige) der EEB sind nicht neu. Ihr Hintergrund ist der „doppelte Aufgabenzuschnitt“ und die Verankerung im System der öffentlichen Weiterbildung und in der Kirche.
Der Institutionalform der Erwachsenenbildung in der BRD ist der Trägerpluralismus eigen, die Einrichtungen großer zivilgesellschaftlicher Organisationen anerkennt und finanziell fördert. Daraus resultiert die Möglichkeit, öffentliche Erwachsenenbildung „in Dienst zu nehmen“: „bildungspolitisch, trägerpolitisch, bedarfsorientiert- funktional“. Heute firmiert das unter Steuerungsdiskurs. Auch davon handelt dieses Heft. Es zeigt Gefahren der Indienstnahmen auf und zeigt Möglichkeiten, diese abzuwehren. Die Frage, ob kirchliche Erwachsenenbildung vorrangig ‚diakonisch’ als Dienst am Erwachsenen und der Gesellschaft zu verstehen sei oder ob der Aspekt der Glaubensvermittlung an Erwachsene im Mittelpunkt stehen soll, bestimmt die Konzeptionsdiskussion von Anfang an.
Das Heft nimmt die „professionellen Handlungskerne“ und die Angebotsschwerpunkte evangelischer Erwachsenenbildung in den Blick. Das ist zuvörderst der Bereich von Theologie und Religion, auch wenn politische, kulturelle und lebensweltliche Angebote in der EEB gleichrangig neben dem Kernprofil Theologie/Religion stehen, wie S. Robak in ihrem Beitrag in Zitation der empirische Studie zur kirchlichen Erwachsenenbildung von 2000 zeigt.
Im Blick auf das Kernprofil Theologie/Religion stellen sich zwei Fragen. Das ist einmal die nach dem Trägerinteresse und einer entsprechenden Ausrichtung der EEB auf einen kirchlichen Bildungsauftrag – eine Zuspitzung des kirchenpolitischen Ringens um die „didaktische Eigenständigkeit“ liegt in der Auseinandersetzung mit der sog. „Missionarischen Bildungsinitiative“. Und zum anderen ist das die Frage nach den Formaten religiöser Bildung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und kultureller Veränderungsprozesse, auf die Stichworte wie Individualisierung, Wertewandel, Spiritualitätsbedürfnis verweisen. Bildungsanbieter vor Ort erleben, dass Formate sich verändern, neue Lernkontexte erschlossen und begründet werden müssen.
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Diese Fragen bearbeitet J. Könemann, die „Kontexte und Bedingungen religiöser und theologischer Bildung“ mit Erwachsenen entfaltet. Dazu gehören auch die Veränderungen im Bildungsverständnis und die gesellschaftlichen Erwartungen wie Anforderungen an Bildung, auch an religiöse und theologische Bildung, z. B. im Rahmen des Kompetenzdiskurses.
Diese neuen Leitkonzepte diskutiert S. Robak in ihrem Beitrag „Lebenslanges Lernen und Kompetenzorientierung als pädagogische Strategien der Spätmoderne“. Sie vertritt eine konsequente Orientierung am Subjekt, fordert dessen Unterstützung und reflektiert den Ansatz der Kompetenzorientierung in der Erwachsenenbildung kritisch unter Bezugnahme auf das Proprium evangelischen Bildungsverständnisses jenseits von Normierungsinteressen und Lebenslaufregime.
Die verhandelten Fragestellungen der Einordnung evangelischer Erwachsenenbildung in die öffentliche Weiterbildung, die Theologie, den Bildungsbegriff und seine zeitdiagnostische Weiterführung nehmen die beiden Statements aus kirchenleitender Perspektive und aus Sicht der Erwachsenenpädagogik (H.Dopffel/M.Fleige) auf.
U. Heuers Beitrag variiert das verhandelte Thema. Er kontrastiert die dynamischen Zeiten der Bildungsreform und des Aufbruchs der 1960er und 1970er Jahre mit den Funktionalisierungstendenzen, die das Konzept vom Lebenslangen Lernen transportiert und hebt auf die Bedeutung kirchlicher Träger und deren Beitrag zu sinnstiftender Bildung ab.
Was lesen Sie noch in diesem Heft:
In der Rubrik „Forum Bildungspolitik“ setzt sich der Vorsitzende des Bundesausschuss Politische Bildung (bap) Lothar Harles mit den geplanten Kürzungen der Mittel für die Träger politischer Bildung seitens der Bundesregierung auseinander.
Geschichte und Zukunftsperspektiven der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Europa, die vor fast 50 Jahren gegründet wurde, sind Thema der Beiträge von David Goodbourn, Vincent Dubois und Satu Kantola, der Präsidentin der EAEE.
Zum Kulturhauptstadt-Jahr 2010 haben die beiden evangelischen Kirchen des Rheinlands und Westfalens ein profiliertes Programm entwickelt und verschiedene Projekte gestartet, so z. B. das Lutherforum Ruhr. Diese kirchliche Kulturarbeit wird hier vorgestellt.
Die neuen Ergebnisse der Trendanalyse zur Weiterbildung 2010 präsentieren deren AutorInnen aus dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre
Andreas Seiverth
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Heft 2/2010- Editorial
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Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
Familienbildung als Bildung im Lebenslauf, ihre Verortung(en), Konzeptionsfragen und Handlungsfelder sind thematischer Schwerpunkt dieses Heftes.
Es geht zum einen um konzeptionelle Fragen, um die Einbindung dieses Bildungsbereiches und Handlungsfeldes und zum anderen um ein spezifisches Praxisfeld im Kontext der „U 3-Debatte“, nämlich um die Frage, wie und durch welche Konzepte der Eltern- und Familienbildung der Übergang von der Familie in institutionelle Betreuungseinrichtungen gut und für alle Beteiligten förderlich gelingen kann.
Die ersten Beiträge stellen Konzeptfragen der Familienbildung zur Diskussion. Sie thematisieren das Bildungsverständnis, das Selbst- und Professionsverständnis, die disziplinäre Verortung von Familienbildung als Arbeits- und Handlungsfeld zwischen Erwachsenenbildung und Jugendhilfe/Sozialer Arbeit.
Familienbildung umfasst „die verschiedensten Formen der Bildungs- und Beratungsarbeit mit Familien zur Förderung der Kompetenzen für ein gelingendes Familienleben“ (Carola Iller). Ihr wird eine hohe Bedeutung vor dem Hintergrund der sich wandelnden und wachsenden Anforderungen an Familien zugeschrieben, die Barbara Thiessen präzise herausarbeitet.
Familienbildung befindet sich in einer „Umbruchsituation“, sieht sich Veränderungen im Feld des Lehrens und Lernens gegenüber. Dafür bietet der Ansatz des Lebenslangen Lernens, verstanden als Lernen im Lebenslauf, ein Brückenkonzept, was Christiane Hof in ihrem Beitrag entfaltet. Er stellt die Subjekte, ihre spezifische Lebenssituation und jeweiligen Lernbedürfnisse ins Zentrum.
Familienbildung präsentiert sich als ein schwer überschaubares Feld von Anbietern und Angeboten. Dies ist vor allem darin begründet, dass Familienbildung historisch an der Schnittstelle zwischen Erwachsenenbildung und familienbezogener Gemeinwesenarbeit, also Jugend- und Sozialer Arbeit entstanden und damit sowohl im System der Weiterbildung als auch im System der sozialen Hilfen verortet ist. Das schlägt sich in den Finanzierungsstrukturen und Förderlogiken nieder. Diese doppelte Verortung stellt auch ein professions- und institutionspolitisches Spannungsfeld dar.
Familienbildung kann einmal in erwachsenenbildnerischer Tradition als „Interaktions- und Reflexionsraum“ (C. Iller) verstanden werden, als Raum der Auseinandersetzung mit und Bearbeitung der neuen Anforderungen, als Raum für individuelle Entwicklung und Entfaltung, was auch Auswirkungen auf die familialen Interaktionen hat. Zum anderen wird der Familienbildung in funktionalistischem Sinne von der Politik und den Verbänden eine kompensatorische Aufgabe zugeschrieben, wie sie der Präventionsauftrag des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (§16 KJHG), der am Kindeswohl orientiert ist, vertritt. Hier ist die helfende, unterstützende Komponente von Familienbildung im Blick. Im Sinne klassischer Sozialarbeit geht es um Intervention, wenn die Erziehungskompetenz der Eltern gefördert oder „trainiert“ (Elterntrainings) werden soll. Familienbildung, die präventive, sozialintegrative und steuernde Ansätze verbindet, wird politisch forciert und findet in der Öffentlichkeit eine starke Resonanz. Diese „doppelte Verortung“ von Familienbildung, die daraus entstehenden Spannungen und deren Produkivität beschreibt Melanie Mengel in ihrem Beitrag.
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Astrid Gilles-Bacciu kritisiert in ihrem Plädoyer aus werteorientierter christlicher Perspektive die Funktionalisierungs- und Instrumentalisierungstendenzen, und sie insistiert für die Familienbildung auf die „Einlösung des Rechtes auf Bildung“ und auf Bildungsangebote, die eine eigenständige Urteilskraft und Handlungsfähigkeit befördern. Und sie dekonstruiert Leitbilder, wie das vom perfekten oder zu verbessernden Kind, die manchen Elternbildungsangeboten als heimliches Versprechen zu Grunde liegen können.
Der zweite Inhaltsschwerpunkt nimmt eine der zentralen Herausforderungen für Familien heute auf, nämlich die der Gestaltung von Beziehungs- und Betreuungssystemen, die Eltern und Kindern eine gute und selbst bestimmte Entwicklung ermöglichen, und die vor dem Hintergrund der steigenden Anforderungen der Arbeitswelt eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten. Der Eintritt eines Kindes in die institutionelle Betreuung ist eine entscheidende Phase im Familienleben. Und es zeichnet sich ab, dass dieser in Zukunft lebensbiografisch früher erfolgt. Auf diesen Übergang vorzubereiten und ihn zu begleiten, ist eine wichtige und neu wahrgenommende Aufgabe der Familienbildung. Denn ein positives Erleben und Bewältigen dieses „ersten“ Übergangs ist eine wertvolle Ressource für den weiteren Lebensweg und ein Stabilisierungsfaktor für das Familienleben. Die Beiträge von Susanne Viernickel und Renate Niesel stellen das für diese Situation notwendige Wissen bereit und machen deutlich, wie wichtig die (Erziehungs-)Partnerschaft zwischen Eltern und den Betreuungspersonen und „Übergangsbegleitern“ in dieser Phase ist.
Der Beitrag von Alexandra Schmidt-Wenzel beschreibt, wie Eltern im Umgang mit dem Kind selbst lernen und Sicherheit in dieser Interaktion erlangen. Mit diesen Erkenntnissen zur Entwicklung einer innerfamilialen Lernkultur wird neues Wissen bereitgestellt, das für die Elternbildungsarbeit fruchtbar gemacht werden kann.
Georg Kortendieck stellt die Einsichten der Milieuforschung und des Milieumarketings für den Bereich der Eltern- und Familienbildung vor, womit sich die Erwartung verbindet, dass durch eine entsprechende Angebotsgestaltung und Ausschreibung Eltern besser erreicht werden.
Auch die Beiträge der Rubrik „Für die EEB“ stellen überwiegend Angebote und Projekte der Elternbildung vor.
Ihrer Aufmerksamkeit empfohlen sei darüber hinaus der grundlegende Beitrag von Gertrud Wolf zur Sexualpädagogik als einem bislang in der Erwachsenenbildung wenig berücksichtigten Thema. Ebenfalls beachtenswert ist die Bestandsaufnahme von Herbrechter/Schemmann zur Entwicklung von Strukturen lebensbegleitenden Lernens und zur Gestaltung der regionalen Bildungslandschaft Mittelhessens.
Andreas Seiverth
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Heft 1/2010- Editorial
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Editorial
Helmut Strack zum 60. Geburtstag
Liebe Leserinnen und Leser,
was bleibt, wenn die Reden gehalten, die Büffets geräumt und die Zuhörer nach Hause gegan-gen sind, von den Veranstaltungen, den Festlichkeiten und der Erinnerung – an Phillip Melan-chthon, dem Wissenschaftler und Humanisten, dem Organisator und Vermittler, dem Gutachter und Seelsorger, der kein Theologe war und doch die erste theologische Dogmatik der jungen Reformationsbewegung verfasste? Das Medienecho war bis zu seinem Todestag am 19. April d. J. beträchtlich und inhaltlich beachtlich. In den großen Tages- und Wochenzeitungen fanden sich lebendige und teilweise auch gelungene aktualisierende „Lebensbilder“ über den Mann, der lange im Schatten Martin Luthers stand und dessen eigenständige und keineswegs immer „lutherisch-korrekten“ Lehrmeinungen und dessen Formulierungskunst die Reformationsbewe-gung zu seinen Lebzeiten viel zu verdanken hatte.
Auch in zahlreichen Einrichtungen der Evangelischen Erwachsenenbildung fanden Veranstaltun-gen zu Melanchthon statt, die die Erinnerung an den 450. Todestag als Lerngelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen wollten. Dass wir nun nach dem verrauschten Medienecho ein ganzes Heft „Philipp Melanchthon“ widmen, hat daher zunächst den ganz schlichten Sinn der Dokumentation von Beiträgen, die bei unterschiedlichen Anlässen öffentlich gehalten worden sind. Unser darüber hinausgehendes Wunschbild freilich, mit Philipp Melanchthon in eine leben-dige Auseinandersetzung zu treten, das, was ihm gewiss am liebsten gewesen ist, einen infor-mierten und rhetorisch geschliffenen, gern auch kontroversen Dialog zu führen, das konnten wir nicht inszenieren. Was aber die drei Beiträge zu Melanchthon in diesem Heft und die meisten der folgenden Beiträge verbindet, ist die Kunst und die Bereitschaft, seinen Todestag als Lern-anlass zu begehen und in seinem Geist aktuelle Fragen und gesellschaftliche Herausforderun-gen zu behandeln. |
Was von Melanchthon zu lernen wäre, hat Uwe Birnstein zu „Sieben Lektionen“ gebündelt; sie entwerfen zugleich ein lebendiges Portrait, das die Lerninhalte in seine Biografie sowohl einbet-tet wie aus ihr entwickelt. Es sind Lektionen einer individuellen und politischen „Lebenskunst und Lebensklugheit“, die sich in den vielfältigen Widersprüchen, in die Melanchthon verstrickt war, immer neu bewähren musste. Die größte Bewährungsprobe und zugleich der wichtigste Schmerzpunkt in Melanchthons Lebensarbeit ist – etwas zugespitzt formuliert – seine Rolle in der Begründung der Kirchenspaltung wie in den Versuchen, eben diese zu verhindern. Er hat sowohl die zentrale erste theologische Bekenntnisschrift des Protestantismus verfasst, als auch Verhandlungen darüber geführt, ob und wie eine „papstlose katholische Teilkirche“ denkbar und akzeptabel wäre. Weil sich dies als historische Illusion erwies, haben wir heute und brauchen wir heute eine „ökumenische Theologie“. Dies ist die Perspektive, in der Martin Bock Melanchthon als einen Theologen ins Spiel bringt, mit dem heute ausgelotet und praktisch erprobt werden könnte, was zur „Einheit der Kirche genügt“. Dass die Reform der Kirche für Phillip Melanchthon kein Selbstzweck ist, sondern im Dienst der Humanisierung der Gesellschaft als ganzer steht, wird durch nichts besser illustriert als durch die Emphase, mit der er „den Glanz der Künste und Wissenschaften mehren“ wollte. Er traute der Bildung der Menschen nicht wenig zu: Weil zur conditio humana der Verlust des Paradieses gehört, ist Kultur und Bildung des Menschen ebenso notwendig für sein Überleben nach dem Paradies wie für die Hoffnung seiner Wieder-herstellung – und das Wissen darum, dass dies nicht möglich ist. Friedrich Schorlemmers Rede zeigt daher, was wir nach Melanchthon an historischen Erfahrungen zu erinnern und an Ge-fährdungen unseres humanen Selbstverständnisses zu bedenken haben.
Lernanlässe anderer Art verarbeitet Helmut Strack in seinem Beitrag, der die „Klimakrise“ als Thema der evangelischen Erwachsenenbildung reflektiert. Sein Ausgangspunkt sind dabei die Lernhindernisse; sein Ziel die Lerneinstellungen, die wir brauchen und die Lernaufgaben, denen wir uns nicht mehr entziehen können, wenn wir die Klimakrise mit etwas Aussicht auf Erfolg angehen wollen.
Ein für das forumErwachsenenbildung ungewöhnlicher Beitrag ist der von Michael Nüchtern, der in eindrucksvoller Weise die vielfältigen kreativen Aneignungs- und Auslegungsformen der biblischen Josephsgeschichte nachzeichnet. Aus ihm lässt sich lernen, wie Literatur und Ge-schichte unsere individuellen und kollektiven Lernmöglichkeiten befördern, erweitern und immer neu anregen kann. In diesem Sinne hoffen und wünschen wir, dass auch die übrigen Beiträge dieses Heftes für Sie zu Lerngelegenheiten werden.
Andreas Seiverth
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Heft 4/2009 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Das Thema unseres Heftes ist „Geschlechterverhältnisse und Bildung“.
Auch wenn es vordergründig kein „Top-Thema“ des öffentlichen Diskurses zu sein scheint, erfährt es angesichts von Jubiläen und Würdigungen hohe öffentliche Aufmerksamkeit, wie z. B.
– im letzten Jahr anlässlich des 20. Jahrestages der Krozinger Synode der EKD, wo nach den 1989 gefassten zukunftsweisenden Beschlüssen für eine geschlechtergerechte Zukunft der Kirche bilanzierend nachgefragt wurde, wie es denn heute um die Gleichheit der Geschlechter in Kirche und Gesellschaft bestellt sei;
– oder durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Frau Professorin Dr. Wiltrud Gieseke im Januar 2010 für ihre ausgezeichneten richtungsweisenden Beiträge zur Frauen- und Geschlechterbildung, die in der politischen und Fachöffentlichkeit die Bedeutung des Themas hervorheben. Unser Gespräch mit ihr, abgedruckt in diesem Heft, soll ihre Erfahrungen zu Wort kommen lassen und sie für die aktuellen Diskussionen fruchtbar machen.
Abgesehen von solchen öffentlichen Momenten taucht das Geschlechterverhältnis heute als Subtext gesellschaftlicher Problemlagen und Veränderungen auf. Es ist jedoch – neben dem Verhältnis der Generationen und der Kulturen – ein Dreh- und Angelpunkt des sozialen Wandels. Hier entfaltet sich eine neue Dynamik – und Dramatik. Das Geschlechterverhältnis wird z. B. in den Diskussionen zum Thema „Familie“ sichtbar: bei den Diskussionen um Vereinbarkeit von Familie und Beruf, den Initiativen zur Schaffung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten, der Neuordnung der Reproduktionsaufgaben durch Frauen und Männer. Es taucht auf in Auseinandersetzungen mit dem, was Männlichkeit heute ist, und mit der Frage, wie die Vaterrolle ausgefüllt werden soll (dazu die Beiträge von Lange/Zerle und Lotz in diesem Heft).
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Eher zurückgetreten ist dagegen die Fokussierung auf die Situation der Frauen aus der Zeit der (neuen) Frauenbewegung, die in der Substanz auch eine Frauen-Lern-Bewegung war. Das ist vermutlich vor dem Hintergrund von Erfolgen und größeren Partizipationsmöglichkeiten im Blick auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe von Mädchen und Frauen zu sehen. In der Konsequenz sind heute weibliche Lebensentwürfe zukunftsoffen und „moderner“ im Blick auf gesellschaftliche Anforderungen als die der Männer, so die Einschätzung von ExpertInnen: „Ein Geschlecht, die Frauen, ...wird (...) zum Vorbild für die Veränderbarkeit geschlechtlicher Zuschreibungen“ (Venth).
Was das Geschlechterverhältnis angeht, scheinen wir in einer Art „Übergangszeit“ mit viel Bewegung zu leben. Gerade der Bildung kommt hier eine besondere Rolle zu. Das zeigen auch neuere Veröffentlichungen zu diesem Bereich. „Bildung ist immer auch Geschlechterbildung“ (Rieger-Goertz), denn in Bildungsprozessen wird auch das Geschlecht gelernt oder vermittelt. Somit ist Lernen in positivem Sinne auch ein Beitrag zur Geschlechterdemokratie.
Es ist ein Paradigma der pädagogischen Geschlechterforschung, „dass Geschlecht nicht etwas ist, was wir haben, sondern etwas was wir tun“ (Budde/Venth).
Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Erwachsenenbildung selbst zur Akteurin eines Doing Gender wird, das traditionelle, bipolare Geschlechterkonstellationen bislang eher verstärkt und fortschreibt – offen oder latent. Umso dringlicher ist die Forderung, dieses Gender Doing in den Bildungsprozessen aufzufinden und aufzulösen, was eine anspruchsvolle Aufgabe vor allem für Didaktik und Methodik ist, zumal es noch keinen „elaborierten und abrufbaren fachlichen Diskurs zum Bezug zwischen Gender und Erwachsenenbildung“ (Budde/Venth, Venth) gibt.
Andreas Seiverth
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Heft 3/2009 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
die inhaltlich-thematische Komposition eines Heftes ist immer auch das Ergebnis von unterschiedlichen Zwecken, Gelegenheiten und Lernprozessen. In diesem Heft zeigt sich der Zweck etwa darin, dass wir den Studientag der diesjährigen Mitgliederversammlung der DEAE zum Thema „interreligiöse Erwachsenenbildung“ anhand der Vorträge dokumentieren wollen. Gleichzeitig spiegeln jedoch die beiden Fassungen der Thesen, die dem Studientag zugrunde lagen bzw. als Ergebnis umformuliert worden sind (vgl. S. 7 und S. 15) kollektive Lern- und Aushandlungsprozesse wider. An ihnen wird sichtbar, dass Texte immer auch Elemente und Medien sozialer und politischer Kommunikation sind, in denen Vor- und Selbstverständnisse ebenso „auf dem Spiele stehen“ wie religiöse Positionierungen und nicht zuletzt auch Wahrheits- und Geltungsansprüche eingebracht und vertreten werden. Zumindest das didaktische Prinzip der Perspektivenverschränkung und damit des Perspektivenwechsels kann die Widergabe der drei Beiträge sichtbar machen; das mögliche Gespräch zwischen den Texten wäre von den Leserinnen und Lesern oder auch den Teilnehmenden einer Bildungsveranstaltung zu eröffnen. Sie geraten dabei mitten hinein in die Abenteuer interreligiöser Dialoge und der durch sie möglich werdenden Veränderungen im Selbst- und Weltverständnis der Beteiligten.
Leistet die Evangelische Erwachsenenbildung auf diese Weise ihren spezifischen Beitrag zur „Rückkehr der Religion“, indem sie das „Zwischen“ der Religionen und damit ihre Pluralität zum Thema macht, so ist ihre andere Aufgabe darin zu sehen, dass sie sich auch den internen Veränderungen der Religion zuwendet. Was damit gemeint ist, zeigt der Beitrag von Friederike Benthaus-Apel, der sich mit der „Transformation von Religion in der Moderne“ beschäftigt. Der Beitrag misst in erhellender und sehr anregender Weise die Reichweite und die Erkenntnismöglichkeiten einer soziologischen Beschreibung von beobachtbaren Transformationsprozessen aus; was daraus in praktischer Hinsicht für die organisierte Bildungsarbeit oder auch für das individuelle Nachdenken folgt, ist wiederum eine Lern- und Adaptionsleistung, die über die theoretische Analyse hinausgeht und diese weiter fruchtbar werden lässt.
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Was in der Natur „Früchte“ sind, zeigt sich in der Ökonomie und den empirischen Wissenschaften als „Ergebnisse“. Nicht nur für die öffentliche Reputation, sondern mindestens ebenso wichtig sind empirische Ergebnisse auch für die Verantwortlichen von Bildungsinstitutionen. Der Beitrag von Gerd E. Stolz liefert eine der ersten, nach allen Regeln der statistischen Analysekunst angelegten Auswertungen einer Untersuchung über das Teilnahmeverhalten und die diesem zugrunde liegenden Motive der „Klientel“ von evangelischen Stadtakademien. Das Kennzeichen und auch eine der Stärken und Grenzen empirischer Bildungsforschung ist ihre methodische Sorgfalt und Transparenz und ihre Konzentration auf Variablen und klar definierte Fragestellungen (Hypothesen). Ein anderes wichtiges Element empirischer Forschung ist die „Gewinnung von Daten“ und ihr Gelingen ist für die Forschung meistens schon „die halbe Miete“. Das gilt auch für die hier erstmals veröffentlichte Auswertung statistischer Daten für den Bereich der Religiösen Bildung, die Meike Weiland vorlegt. Sie kann sich in ihrer Untersuchung nur auf eine begrenzte Anzahl von Einrichtungen stützen (vgl. Anm. 3 S. 42), ein Umstand, der sich aus den organisatorischen Bedingungen der Erhebung ergibt: Das von der DEAE entwickelte Statistiksystem laboriert immer noch an der Gleichzeitigkeit von eindeutig einzelnen Bildungseinrichtung zurechenbaren Daten und Sammelbögen, in denen die Gesamtheit von Bildungseinrichtungen einer Region (eines Bundeslandes) zusammengefasst ist. Trotz dieser Einschränkungen ist es uns wichtig, den analytisch geschulten und der beobachtbaren Realität zugewandten Blick auf die Wirklichkeit unserer Bildungsarbeit zu schärfen, wohl wissend, dass „die Wirklichkeit“ immer auch das Ergebnis einer umstrittenen sozialen Deutungs- und Auslegungspraxis ist.
„Deutung und Auslegung“ – das waren zwei theoretische Schlüsselbegriffe, mit denen einer der sicher bedeutendsten „Theoretiker und Gestalter der Erwachsenenbildung am Ende des 20. Jahrhunderts“ sich um die Praxis und Theorie der Erwachsenenbildung verdient gemacht hat. Hans Tietgens, der im Mai dieses Jahres im Alter von 87 Jahren verstorben ist, war auch der Evangelischen Erwachsenenbildung auf vielfältige Weise verbunden. Wir sind deshalb sehr dankbar, die Einleitungsbeiträge wiedergeben zu können, die bei der akademischen Gedenkfeier für Hans Tietgens am 23. Oktober 2009 in der Humboldt Universität Berlin gehalten wurden. Der Bundesgeschäftsführer der DEAE war gebeten worden, als Zeitzeuge von Begegnungen mit ihm zu berichten. Der Beitrag enthält einige Erinnerungsfragmente, in denen sich persönlicher und institutioneller Dank mit theoretischer Herausforderung und Anregung ununterscheidbar verschränken.
Andreas Seiverth
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Heft 2/2009 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Deutschland ein Einwanderungsland, das lange keines sein wollte. Die Zahlen aber sprechen eine andere Sprache: In Deutschland leben rund 15 Millionen Menschen bzw. deren Nachkommen aus anderen Ländern. Fast 20% aller EinwohnerInnen haben einen Migrationshintergrund; bei den unter 5-Jährigen ist es fast ein Drittel. Und ein großer Teil von ihnen ist nach öffentlicher und politischer Vorstellung unzureichend integriert, was auch jüngst veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchungen und Studien belegen.
Mit dem Nationalen Integrationsplan stellt sich die Politik nun endlich den Herausforderungen im „Einwanderungsland Bundesrepublik“. Dieses Heft reflektiert die Aufgaben, die sich aus dieser Situation für die Erwachsenenbildung, die Eltern- und Familienbildung ergeben.
Für eine gelungene Integration ist Bildung der entscheidende Faktor: Eine gute (Aus-)Bildung gerade der nachwachsenden Generation ist in einem hoch entwickelten Industrieland und der entstehenden Dienstleistungsgesellschaft Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb gilt es, Kinder und Jugendliche so früh wie möglich zu fördern. Dabei müssen die Eltern einbezogen werden, denn die Familie ist die erste Lernwelt und damit ein wichtiger Bildungsort. Das Anregungspotenzial in der Familie und der elterliche Erziehungsstil sind entscheidend für Bildungsmotivation, Lernverhalten und Schulerfolg.
Erwachsenen- und Familienbildung sind hier besonders gefordert: Sie unterstützen Familien besonders auch aus bildungsfernen Milieus durch Förderung von Alltags- und Erziehungskompetenzen und legen damit einen Grundstein zur Verbesserung von Bildungschancen. Bislang gelang es allerdings nur unzureichend, Eltern mit Migrationshintergrund zu erreichen und die Zugangsbarrieren für MigrantInnen und ihre Familien zu beseitigen. Sie sind in der präventiven Arbeit der Familienbildung deutlich unterrepräsentiert.
Diese Problematik wird in Beiträgen dieses Heftes zum Schwerpunktthema* unter verschiedenen Gesichtspunkten und Perspektiven behandelt: im Blick auf die Einrichtungen und die Professionalität der Mitarbeitenden, unter dem Aspekt der Qualifizierung sowie bezogen auf pädagogische und familiensoziologische Fragestellungen. Veronika Fischer fordert eine interkulturelle Öffnung der Familienbildung, die sie als Prozess der Organisations- und Personalentwicklung beschreibt, um die Weiterbildungsbeteiligung von Zugewanderten und ihren Familien zu erhöhen und neue Zugänge zur Familienbildung zu erschließen.
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Was interkulturelle Kompetenz im Kern ist, was sie im Umgang mit „dem Anderen“ bedeutet, welche Haltung sie „braucht“, reflektiert der Beitrag von Andreas Foitzik. Ein bewährtes Fortbildungskonzept und eine Basisqualifizierung zum Erwerb interkultureller Kompetenz aus der Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe stellt Ioanna Zacharaki vor. Christina Schlich präsentiert mit dem Projekt „Elternkompass“ des Deutschen Volkshochschulverbandes, das sich gerade in der Erprobung befindet, ein Modell der Elternbildung und der Partizipationsförderung.
Hanim Ezder und Elisabeth Stamm berichten aus der Praxis der Eltern- und Familienbildung mit Familien mit Migrationshintergrund. Ezder stellt die Muslimische Familienbildungsstätte Köln vor, einen Bildungsort von MigrantInnen für MigrantInnen mit vergleichbarem kulturellem Hintergrund. Elisabeth Stamm zeigt auf, welches die Erfolgs- und Gelingensbedingungen für Elternkurse für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sind, die das Evangelisches Bildungswerk (Dortmund) durchführt.
Zwei Veröffentlichungen, eine Praxishilfe aus NRW und eine Handreichung des BMFSFJ, die vorgestellt werden, leisten durch Grundlagentexte und Praxisbeispiele eine systematische Aufarbeitung der Fragestellungen und sind eine gute Unterstützung bei der Ausrichtung von Erwachsenen- und Familienbildung.
Es ist eine Tatsache, dass besonders über die zweitgrößte Gruppe der MigrantInnen, muslimische Familien, zu wenig Wissen vorhanden ist: Es braucht also grundlegende Informationen zu ihrer Lage in Deutschland, zu ihrer Herkunft, zur Rolle der Religion, zu Erziehungsstilen und Geschlechtermustern. Diesem Anliegen kommt der Beitrag von Haci-Halil Uslucan zu „Erziehungsstilen und Werten in muslimischen Familien“ nach. Der Text von Michael Tunc setzt sich mit dem wichtigen Thema „Männlichkeit/Väterlichkeit und Migration“ auseinander, wobei seine Referenzgruppe im Wesentlichen türkischstämmige Männer sind.
Was lesen Sie noch in diesem Heft?
Ihrer besonderen Aufmerksamkeit möchte ich noch den Text von Heinrich Trosch zur Kultur des Alterns empfehlen, der für die nachberufliche Lebensphase ganz neue Erfahrungsräume einfordet sowie den Beitrag von Reinhard Hohmann, der ein neues Verfahren zur Beratung von Lernenden vorstellt. Sonst finden Sie noch anregende Projekte und Praxisbeispiele aus der Erwachsenenbildung.
Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre
Anmerkung
* Die Beiträge sind die schriftliche Fassung der Referate, gehalten auf den vom BMFSFJ geförderten Tagungen: „Aufwachsen und Erziehen in ‚fremder Heimat’“, 19. November 2008/Dortmund und „angekommen angenommen?“ Von Integration und Familienbildung, 21. Juli 2009/Stuttgart
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Heft 1/2009 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
„Religion Glaube Bildung“ lautet der Titel dieser Ausgabe.
Das Heft zeigt das Spektrum religiöser Bildung in der Evangelischen Erwachsenenbildung auf als Perspektive der Evangelischen Erwachsenenbildung auf die Gemengelage der aktuellen Diskussionen, wie sie in der evangelischen Kirche und in der praktischen Theologie geführt werden.
Die verschiedenen Text-Beiträge sind um eine Verhältnisbestimmung der drei Dimensionen und Begriffe Religion, Glaube, Bildung bemüht.
Ein zeit- und gegenwartsdiagnostischer Ausgangspunkt dabei ist der sozialwissenschaftliche, der die kulturelle Lage durch eine Vielfalt von Lebensentwürfen und Orientierungen gekennzeichnet als Postmoderne oder späte Moderne beschreibt.
Für ein wachsendes Interesse an Religion in der heutigen Gesellschaft, gerade vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Dynamiken wie wachsender Heterogenität, Globalisierung, der tief greifenden Krise des Wirtschaftssystems, sprechen die Befunde der empirischen Sozialforschung, wie sie, von Martin Rieger vorgestellt, im Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung vorliegen, ebenso wie alltagsbezogene Beobachtungen.
Was bedeutet das für die christliche Botschaft, den christlichen Glauben?
Angesichts dieser Situation sei die „Bestimmtheit christlichen Glaubens in den Bildungsprozessen gefordert, die das, was dem Glauben eigen ist, immer wieder neu vor Augen stellt“, schreibt Ingrid Schoberth.
Die Aufgabe der evangelischen Erwachsenenbildung geht aber weit über die Vermittlung von Glaubenswissen hinaus. Sie soll Begleiterin der „dynamischen Praxis des Glauben-lernens“ sein, wo Menschen den „Raum des Glaubens ausschreiten“, ihn im Blick auf die Geltung für ihr eigens Leben prüfen.
Die Wortbedeutung des Verbs „glauben“ weist hier den Weg: Es meint ein nicht ganz sicheres Wissen und in anderem syntaktischen Kontext meint es eine ganz sichere Überzeugung. Damit ist die Spur gelegt: „Gewagte Wahrheit“ und subjektive Gewissheit und darauf gründendes Handeln, das macht „Glauben“ aus (Hartmut von Hentig).
Dabei ist Kirche vor allem als „Ort jener Praxis“ in der „Menschen vor Gottes Angesicht leben lernen“ im Blick, nicht als Institution.
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Ein anderer Ausgangspunkt der aktuellen Diskussion ist das kirchenorganisatorische Problem der schwindenden Mitgliederzahlen worauf das Impulspapier aus der EKD „Kirche der Freiheit“ reagiert: Denn die Renaissance der Religiosität geht einher mit dem Rückgang der kirchlichen Religiosität. Hier werden missionarische Anstrengungen gefordert, um „wachsende Kirche“ zu werden. Und in diesem Zusammenhang rücken auch die „missionarische Bildungsinitiative“ und das spezielle Angebot von Glaubenskursen in den Fokus.
Vor diesem Hintergrund unternimmt Antje Rösener eine Klärung des Missionsbegriffes und benennt die Herausforderungen, die sich aus ihrer Sicht für die religiöse Erwachsenenbildung in evangelischer Trägerschaft stellen.
Hans Jürgen Luibl reflektiert die aktuelle kirchenpolitische Debatte und prüft in seinem Beitrag, inwieweit eine neue Begrifflichkeit wie „Glaubensbildung“ sowohl innerkirchlich als auch im säkularen Kontext produktiv sein könnte. Er betont, dass hier ein neuer Stil postmoderner Religiosität, die „selbst-reflexiv“ sei, entstehen könnte. Und er entwickelt die Perspektive einer kirchlichen Bildungsarbeit, die einen ganz eigenen Beitrag in die allgemeinen und öffentlichen Bildungsdiskurse einbringt, der Freiheit und Unverfügbarkeit von Bildungsprozessen und „Bildung als Selbstbestimmung“ fokussiert.
Eberhard Hauschildt fragt danach, wie religiöse Bildung sich auf die verschiedenen Milieus einstellen muss, um die sich in ihren Lebensstilen und Präferenzen unterscheidenden Gruppen zu erreichen. Und Matthias Spenn befragt Angebote der religiösen und theologischen Bildung und Glaubenskurse auf ihre Bildungsziele hin und formuliert Anforderungen zur Weiterentwicklung dieser Bildungsangebote.
Das ganze reiche Spektrum religiöser Bildung in der Evangelischen Erwachsenenbildung entfalten die Berichte und Skizzen von Angeboten und Projekten im zweiten Teil des Heftes.
Ihrer ausdrücklichen Aufmerksamkeit empfehle ich weiter die Beiträge außerhalb des Schwerpunktthemas: Peter Euler unternimmt eine kritische Positionsbestimmung im Diskurs am Konzept „Lebenslanges Lernen“ und plädiert angesichts des vielfach postulierten „gesellschaftlichen Lernzwangs“ für das Offenhalten von Bildungsmöglichkeiten; Helga Gisbertz stellt ein Projekt vor, das ethisches Lernen als Querschnittsaufgabe in der allgemeinen Erwachsenenbildung bewusst machen und verankern will. Gertrud Wolf, Leiterin der Evangelischen Arbeitsstelle Fernstudium, stellt deren Arbeit vor und reflektiert den Bildungsbegriff des Fernstudiums und Markus Bernhardt schließt mit dem Thema Evaluation von eLearning-Angeboten die Grundinformation zu diesem für die EEB eher innovativen Arbeitsfeld ab.
Impressionen von dem Spanischen Jakobsweg begleiten Sie bei Ihrer Lektüre.
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Heft 4/2008 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Frage nach dem Verhältnis der Generationen findet heute eine große Aufmerksamkeit. Folie dieser Aufmerksamkeit sind der Altersaufbau der Bevölkerung und die Folgen für die Lebenslagen der verschiedenen Generationen. Der demografische Wandel bildet vielfach den Hintergrund für zukunftsgerichtete Krisenprognosen und medial wirksame apokalyptische Szenarien vom „Krieg oder Kampf der Generationen“, vom „Komplott gegen das Alter“, von der „Kündigung des Generationenvertrags“. Aber jenseits der Skandalisierungen, die im Übrigen von der Empirie und der Selbstwahrnehmung der Betroffenen nicht gedeckt sind, wie die Beiträge von Schmidt und Lange zeigen, ist das Verhältnis und Miteinander der Generationen auch vor dem Hintergrund des sozialen Wandels und der Modernisierung von großer Bedeutung: Die Auflösung der gewachsenen Strukturen besonders im Bereich der Familie kann die Generationenbeziehungen gefährden. Zugleich sind diese Beziehungen Unterstützungssysteme und wichtiger denn je: Eine offenere Lebensweise braucht eine verlässliche Absicherung der großen Lebensrisiken.
Auch weil immer mehr Ältere kinderlos sind, können die Berührungspunkte zwischen den Generationen schwinden. Zudem ist in beruflichen und außerberuflichen Feldern, in Organisationen, Vereinen und Verbänden eine wachsende Segregation der Generationen zu beobachten. Ob und wie die Generationen innerhalb und außerhalb von Familie miteinander kommunizieren, sei wesentlich für das „Funktionieren der Gesellschaft“, für deren Produktivität und Lernfähigkeit, konstatieren nicht nur Politiker. Der Dialog der Generationen und die Generationenbeziehungen haben neben der Pflicht- und Ambivalenzkomponente auch eine Lust- und Neugierkomponente.
Die lebensnahe Wahrnehmung von Ambivalenzen, auf die besonders Lüscher hinweist, fokussiert die Aufgabe der Beziehungsgestaltung als „soziale und kulturelle Aufgabe“, konfrontiert die faktische mit der normativen Sichtweise und zeigt, dass es wenig produktiv ist, Solidaritäten nur zu beschwören. Das ist als Hintergrund von Überlegungen zu den Erfolgsfaktoren intergenerationeller Projekte und zu den Bedingungen einer gelingenden Kommunikation zwischen Jung und Alt von Bedeutung, wie sie Wolfgang Stark und Hubertus Schröer anstellen. Bernhard Schmidt und Julia Franz beleuchten in ihren Beiträgen die Bedeutung und die Formen intergenerativer Bildungsprozesse sowie die Entwicklungsaufgaben, die sich hier für die Erwachsenenbildung stellen.
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Während Franz in ihrem Beitrag, der die Erkenntnisse eines Projektes der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung bündelt, vor allem die Didaktik und Praxisfelder sowie Fragen der institutionellen Förderung fokussiert, konzentriert Schmidt seinen Blick auf Bildungsverhalten, Bildungsinteressen und -motivationen Älterer und auf die damit korrespondierenden Altersbilder in unserer Gesellschaft. Welche prägende Kraft und Handlungsrelevanz die haben, zeigt Gerhard Wegner in seinen Zehn Thesen, die zugleich ein Plädoyer dafür sind, dass die älteren Menschen „aus der langen Lebenszeit etwas machen“ und ihre Potenziale „selbst- und mitverantwortlich“ entfalten.
Wie sich Generationenbeziehungen in Familien in gelebter Vielfalt gestalten, zeigt Lange am Beispiel der Großelternschaft und der Interaktionen von Großeltern und Enkeln. Aber es müssen nicht unbedingt die eigenen Enkel sein. Das Engagement der Großelterngeneration für die Enkelgeneration hat in vielen Projekten seinen Niederschlag gefunden: Es besteht eine hohe Bereitschaft, „Zeit für Kinder und Jugendliche“ einzusetzten, wie exemplarisch die Berichte von Karl Foitzik, Gerlinde Keppler und Eberhard Mayer zeigen. Die berichteten Aktivitäten verstehen sich als gelebte Praxis der Generationensolidarität. Welchen Gewinn ziehen Jüngere, welchen ziehen Ältere aus dem Dialog? Welche Erfahrungen machen sie miteinander? Was lernen Ältere von Jüngeren und Jüngere von Älteren? Dass intergenerative Settings Spaß machen können und gleichzeitig einen hohen informellen Lernertrag für beide, Jüngere und Ältere, haben, das vermitteln eindrücklich die Einblicke in die Theaterarbeit von Mirjam Strunk am Schauspielhaus Essen.
Gelebtes Leben beschreiben, reflektieren und weitergeben, frühere Zeiten lebendig werden lassen, biografische Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Alter und Nationalitäten, das ist Thema des Projektes „Die Zeitschreiber“, das es seit 1999 im Evangelischen Bildungswerk München e. V. existiert. Die hier veröffentlichten Texte wurden im Rahmen der Tagung der DEAE1 „Dialog der Generationen Perspektiven für die Erwachsenenbildung“ vorgetragen und sind eine besondere Bereicherung dieses Heftes.
Ihrer besonderen Aufmerksamkeit anempfohlen seien noch die Arbeitsberichte aus dem Comenius-Institut
und die Rubrik Literatur.
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Anmerkung
1 An dieser Stelle danken wir dem KURATORIUM DEUTSCHE ALTERSHILFE für die finanzielle Unterstützung der Tagung, die vom
3.4.11.2008 in Freising stattfand.
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Heft 3/2008 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Gewalt ist kein leichtes Thema. Nähern wir uns ihm, indem wir nach der Herkunft des Wortes fragen: Gewalt geht auf das mittelhochdeutsche Verb „walten“ zurück und bedeutet „stark sein, beherrschen“. Um das Präfix erweitert, entsteht „verwalten“, was meint, „in der Gewalt haben, für etwas sorgen“. Die Begriffslinien laufen „auseinander“. Gewalt ist ubiquitär und vielgestaltig, sie bestimmt unsere Lebenswelt.
Im heutigen Sprachgebrauch kennen wir eine neutrale oder positiv konnotierte Bedeutung: Staatsgewalt, Gewaltmonopol, Gewaltenteilung zeigen Gewalt zivilisiert, legitimiert und eingrenzt. Die dem Recht und Gesetz verpflichtete Machtausübung schützt die Menschen, sichert das Zusammenleben. Diese zivilisierte Gewalt ist ein Mittel für gerechte Zwecke.
Gewalt sie kann physischer und psychischer Natur sein hat aber auch eine dunkle, eine destruktive und Zwangs-Seite: Im Machtmissbrauch, in der Kraft- und Machteinwirkung auf Menschen (und Sachen), sie kann beschädigen, verletzen, brechen und zerstören. Gewalt macht Menschen zu Tätern und zu Opfern.
Diese Gewalt einzudämmen und Gewaltprävention zu leisten, sind zentrale Aufgaben der Erziehung und der Bildungsarbeit. Die Überwindung der Gewalt ist eine der Grundaufgaben der christlichen Kirchen, die in den in der Bergpredigt Jesu überlieferten Seligpreisungen ihr Fundament hat. Hier ist die christliche Kirche nahe bei ihrer Sache und Wesensbestimmung. Das begründet auch die ökumenische Dekade (20012010) zur Überwindung von Gewalt. Die Wahrnehmung dieser Aufgabe hat für die Kirche und das Handlungsfeld der evangelischen Erwachsenenbildung eine orientierende Bedeutung.
„Gewalt: Entgegnungen“ lautet der Titel dieses Heftes. Dem entsprechen die Beiträge: Was kann man der Gewalt in ihren verschiedenen Manifestationen entgegensetzen denn „ausmerzen“ kann man sie auch in ihren negativen Formen nicht, nur eindämmen. Die Beiträge sie stammen im Wesentlichen von AutorInnen aus der evangelischen Bildungsarbeit greifen verschiedene Aspekte und Gewaltphänomene auf, reflektieren sie, suchen nach Ansatzpunkten, liefern nicht die Lösung, stellen sich aber der alltäglichen Arbeit, den „Mühen der Ebene“, der tagtäglichen zivilisatorischen Aufgabe. Sie weisen die ethische Bildung als einen Kernbereich der Evangelischen Erwachsenenbildung aus.
Elisabeth Naurath stellt in ihrem „Plädoyer für die Förderung mitfühlender Kompetenzen“ einen trägfähigen Ansatz zur Gewaltprävention vor, den sie in ihrer mit dem Hanna-Jursch-Preis ausgezeichneten Habilitation entfaltet hat. Die Laudatio der Preisträgerin durch den Ratsvorsitzenden der EKD Bischof, Wolfgang Huber, ist unter der Rubrik Dokumentation abgedruckt. Hier benennt er die „Überwindung von Gewalt als „Grundaufgabe der Kirche“.
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Ein besonders belastetes Thema, das die Schlagzeilen der Tagespresse bestimmt, ist die Gewalt im sozialen Nahraum. Des Themas „Häusliche Gewalt“ nehmen sich z.T. in Umsetzung des Dekade-Aufgabe „Gewalt überwinden overcoming violence“ diese drei Beiträge an: Die Sozialwissenschaftler Peter Döge und Brigitte Fenner analysieren Erscheinungen der Gewalt im sozialen Nahraum und deren Geschlechtsspezifik auch als Folge gestörter Kommunikation und stellen Ansatz- und Anknüpfungspunkte für die Bildungsarbeit vor. Britta Jüngst, die Frauenreferentin der Evangelischen Kirche Westfalens, beschreibt die Kampagne der EKvW zur Häuslichen Gewalt. Kirche öffnet sich einem schwierigen, lange verschwiegenen Thema in Gottesdiensten und Ausstellungen, Gemeinde- und Bildungsveranstaltungen. Von besonderem Interesse ist, wie sich die Ursprungstexte der drei monotheistischen Religionen, von Christentum, Judentum und Islam, zum Thema „Häusliche Gewalt“ positionieren. Britta Jüngst, Rachel Herweg und Luise Becker skizzieren das in ihrem luziden und informativen Beitrag.
Gertrud Wolf widmet sich in ihrem Text der Habitualisierung der Gewalt durch die Medien und verweist auf der Basis von Wirkungsanalysen auf die pädagogischen Herausforderungen.
„Rechte Gewalt“ ist Thema dreier Beiträge. Aribert Rothe skizziert in seinem historischen Beitrag die Haltung des deutschen Protestantismus und seiner Vertreter gegenüber Hitler und den Nazis nach der Machtergreifung. Die Beiträge von Elisabeth Siebert und Simone Richter stellen zwei Projekte der Evangelischen Erwachsenenbildung gegen Rechtsextremismus vor, das eine aus Mecklenburg-Vorpommern, das andere aus Bayern. E. Siebert beschreibt eindrücklich den schwierigen Weg zur Demokratie in dem östlichen Bundesland und den viel versprechenden Ansatz von Gemeinwesenberatung zur Demokratieförderung.
Der besonderen Aufmerksamkeit seien noch diese Beiträge empfohlen: Der Text Hermann Düringers ist eine gute Kommentierung zu den aktuellen Diskussionen um die sog. „Missionarischen Bildungsinitiative“ im Rahmen des Wittenbergprozesses.
Das Schwerpunktthema des Heftes vertieft die Besprechung des Buchs von Peter Walter durch Helmut Strack: Walter setzt sich darin mit dem „Gewaltmonopol des Monotheismus und dem dreieinigen Gott“ auseinander.
Weiterhin lesen Sie im Literaturteil eine intensive Auseinandersetzung mit dem Jesus-Buch von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. von Manfred Richter.
Die Bilder dieses Heftes zeigen aus „aktuellem Anlass“ Gebäude von Banken, „gewaltige“ Komplexe, hoch aufgeschossene Trutzburgen der Geld-Macht, Monumente, deren Fundamente aber kaufmännisch und moralisch brüchig sind, wie uns die gegenwärtige Finanzkrise lehrt. Es sind Beispiele der Selbstinszenierung von Unternehmen, die gewaltigen Schaden angerichtet haben. Sie muten wie eine Reminiszenz an die Hybris des Turmbaus von Babel an.
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Heft 1-2/2008 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Die thematischen Schwerpunkte dieses Heftes repräsentieren das Spannungsfeld, in dem sich die Evangelische Erwachsenenbildung gegenwärtig befindet. Das mag sich bei den scheinbar weit auseinander liegenden Themen der Beiträge auf den ersten Blick so nicht erschließen und nicht sofort ins Auge springen.
Evangelische Erwachsenenbildung blickt zurück: biografisch und institutionell. Vor dem Hintergrund eines lebensgeschichtlichen Übergangs, seiner bevorstehenden Pensionierung aus dem Amt des Hochschullehrers, reflektiert Jörg Knoll seine Berufsbiografie, die eng mit der evangelischen Erwachsenenbildung verbunden und durch sie aber auch von ihm entscheidend geprägt worden ist.
„Bildungsorte im Wandel der Zeiten“ kommen in den Beiträgen von Aribert Rothe und Fritz Erich Anhelm in den Blick: die Evangelischen Akademien. In ihrer Arbeit wird die gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen öffentlich erfahrbar und es vermittelt sich, was evangelischer Bildungsarbeit so attraktiv macht: Die von ihr ausgehende Einladung zu evangelischer Freiheit.
Hinter diesen Rückblicken scheint teils explizit, teils „gebrochen“ und quer liegend auf, wovon in diesem Heft auch und vor allem die Rede sein wird: von neuen Erfahrungen und neuen Herausforderungen. Dinge neu sehen, Positionen halten, sich vergewissern: Das gehört zusammen.
Die Stellungnahme der DEAE „Für einen ‚dem Menschen gerecht werdenden Bildungsdiskurs’“ zu den bildungspolitischen Initiativen der Bundesregierung, eingeführt durch den Beitrag von Andreas Seiverth, verbindet beides. Die Stellungnahme setzt Maßstäbe. Der Beitrag reflektiert die aktuellen bildungspolitischen Positionierungen vor dem Hintergrund des „Bezugs- und Begründungsrahmens“, dem sich Evangelische Erwachsenenbildung in ihrer „Orientierung am Menschen“ verpflichtet sieht. Dieser unterscheide sich grundsätzlich von den „politisch-pragmatischen Konzeptionen der Bundesregierung und anderer bildungspolitischer Bildungsakteure“, die die Gefahr einer „Indienstnahme des Menschen durch Bildung“ in sich trügen.
Von neuen Trends und Entwicklungen berichten die Beiträge von Stefan Hummelsheim, der Entwicklungslinien in der „deutschen Weiterbildungslandschaft“ skizziert und die Trendanalyse des DIE vorstellt, und von Michael Sommer, der zeigt, wie heterogen das Feld der europäischen Erwachsenenbildung ist.
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An dieser Unterschiedlichkeit, der organisationspolitischen Schwäche, und der relativ geringen finanziellen Unterstützung bricht sich auch die „hochmögende“ Programmatik von der Bedeutung der Erwachsenenbildung im Rahmen des „Lebenslangen Lernens“.
Dinge neu sehen: Ein besonders innovatives Feld der Bildungsarbeit verbindet sich mit den Handlungsfeldern Familie und Generationen. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Wandlungsprozesse brauchen Familien Unterstützung und Entlastung. Bildungsarbeit und soziale Dienste sehen sich neuen Aufgaben gegenüber. Eine familien- und kinderfreundliche Umwelt soll durch produktive Kooperationen, durch eine neue gesellschaftliche Organisation von Care und Fürsorglichkeit, durch Netzwerke und institutionelle Innovationen entstehen. Was das für die Professionen, die Institutionen und die Generationen bedeutet, machte der Kooperationsverbund der in diesem Feld tätigen evangelischen Dach- und Fachverbände im Rahmen einer Tagung zum Thema, deren Hauptbeiträge in diesem Heft veröffentlicht werden.
Weitere Beiträge in diesem Heft belegen die Kreativität und Produktivität des Arbeitsbereichs Familien- und Familienbezogenen Bildung der Evangelischen Kirche: Dorathea Strichau stellt den neuen werteorientierten Elternkurs aus Bayern vor; die leider früh verstorbene Petra Vollweiler-Freyer das innovative Projekt „Elternbriefe“ für die Zielgruppe der Eltern von Konfirmanden aus der Pfalz. Wie die Evangelische Landeskirche von Württemberg Familienfreundlichkeit in imponierender Weise fördert und Familien durch Aktivitäten auf den unterschiedlichen Ebenen unterstützt, zeigt der Beitrag von Gerlinde Keppler.
Petra Herre berichtet von einem Fachgespräch der Fachgruppe Familienbezogene Bildung der DEAE, das die Unterstützung von Familienzentren und Mehrgenerationenhäusern durch die evangelische Erwachsenen- und Familienbildung und Gemeinwesenorientierung im Sinne einer Neuausrichtung kirchlicher Arbeit in den Fokus rückte mit der Perspektive, die bedarfsgerechte Ausgestaltung sozialer Infrastrukturen für Familien im eigenen Handlungsfeld zu befördern.
Dieses Heft des forum erwachsenenbildung erscheint als Doppelnummer. Das ist der Tatsache geschuldet, dass wir einigermaßen aktuell sein wollten. Die Anlässe, aus denen sich die Beiträge speisen, lagen zeitlich nahe bei einander. Uns schien es geboten, die Themen zu bündeln.
In Zukunft wollen wir uns bemühen, die Hefte wieder schlanker und handhabbarer zu gestalten, nachdem die letzten Ausgaben die Richtgröße von 64 Seiten immer wieder deutlich überschritten haben.
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Heft 4/2007 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Kulturelle Bildung und Erwachsenenbildung: Kultur und Bildung stehen in einem besonderen und engen Wechselverhältnis zu einander. Erwachsenenbildung macht zum einen Lernangebote und fördert kulturelle und ästhetische Bildungsprozesse, zum anderen ist sie mit ihren Institutionen und Aktivitäten selbst eine besondere kulturelle Praxis und zugleich auch „Reflex auf eine sie umgebende Kultur“. Sie ist also „Instrument, Praxisform und Spiegel“ (E. Schlutz).
In diesem Heft wird in verschiedenen Beiträgen die Trias von Kultur, Bildung und Arbeit in den Blick genommen. Der gemeinsame Fragehorizont richtet sich auf die Zielperspektiven der Bildungsarbeit mit Erwachsenen vor dem Hintergrund der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation und Dynamik. Die Texte von Richard Stang, Thomas Philipp und Sebastian Lerch leisten hier einen Beitrag aus unterschiedlicher Perspektive.
Philipp greift das Postulat Hartmut von Hentigs „Die Menschen stärken, die Sachen klären“ auf und beschreibt als Herausforderung und Aufgabe, Bildungskonzepte zu entwickeln, die die Menschen darin unterstützen, mit identitären Umbruchsituationen umzugehen. In Auseinandersetzung mit dem Handlungsbegriff Hannah Arendts und ihrem Konzept der „Vita activa“ ist ihm Erwachsenenbildung „Ort der Selbstvergewisserung und der Entwicklung von Eigensinn“. Aufgabe der erwachsenenpädagogischen Praxis sei es, zur Förderung und Stärkung von Identitätskompetenz beizutragen und damit der Fähigkeit Raum zu geben, „sich sprechend und handelnd in die Welt einzuschalten, um etwas aktiv mitzugestalten, aber auch abzuwehren“.
Lerch reflektiert die „Rückgewinnung des Menschen in Zeiten generellen Verwertbarkeitsdenkens“ und die Rolle von Bildung in diesem Kontext. Sein Ausgangspunkt ist die Analyse der gegenwärtigen Arbeitsgesellschaft, die Bildung zur Qualifizierung verkürzt und sie „ihrer eigenen Disziplin und ihrer genuinen Ausrichtung als sinnunterstützendes Angebot“ ‚entfremdet’. In seinem Ansatz der Lebenskunstorientierung als Modus reflexiver und reflektierter Lebensführung ist Bildung als Lebenskunst eine „Erweiterung Lebenslangen Lernens“ und ein Weg jenseits „bewusstloser Anpassung an gesellschaftliche und berufliche Erfordernisse“. Eine so verstandene Bildung fördere selbstbewusste Individuen.
Dieser Zielperspektive ist auch die Kulturelle Bildung verpflichtet. Richard Stang plädiert in seinem, das Schwerpunktthema dieses Heftes einleitenden, Beitrag für eine Stärkung von Bildung, die „kreativitäts- und innovationsfördernd“ ist. Er verweist darauf, dass Kultur die Basis der Gesellschaft ist und die Gestaltung gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit eine ganzheitliche kulturelle Perspektive brauche: Die Herausforderungen der Wissensgesellschaft und gesellschaftlicher Problemlagen erforderten eine breite Bildung und entsprechende Selbstbildungsprozesse.
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Als Teil der Allgemeinbildung unterstützt Kulturelle Bildung die Individuen in ihrer Persönlichkeitsbildung, stärkt deren kreative, kommunikative und soziale Fähigkeiten und schafft kulturelle Handlungs- und biografische Gestaltungskompetenz, vermittelt also die vieldiskutierten Schlüsselkompetenzen.
Das ist auch das Credo der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“, die im Dezember 2007 nach vierjähriger Arbeit ihren Abschlussbericht vorgelegt hat und die die hohe Bedeutung Kultureller Bildung hervorhebt: „Kulturelle Bildung fördert die Lebensqualität, die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, ermöglicht Sinnorientierung und befähigt zur besseren Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft“. Die Erträge der Kommissionsarbeit werden in den Beiträgen von Hannes Langbein, der die Wahrnehmung der Kirchen als Träger von Kultur herausarbeitet, und von Petra Herre skizziert.
In weiteren Beiträgen wird das Thema „Handlungsfeld Kultur“ und das Aufgabenfeld der Kulturellen Bildung in der Erwachsenenbildung aufgenommen: Jörg Knoll beschreibt, wie Kunst zum Erfahrungsraum, zum Gestaltungsraum, zum Möglichkeitsraum werden kann. Reinhold Knopp zeigt die Produktivität von Kultur in der Bildungsarbeit mit Älteren auf, in der Kreativität freigesetzt, kulturelle, kommunikative Kompetenzen gefördert werden und soziales zivilgesellschaftliches Engagement entsteht. Der Bericht von Ottmar Hinz über das Programm „Literatur an Ort und Stelle“ stellt ein „Spitzenprodukt“ evangelischer Erwachsenenbildung vor. Dieses Seminarkonzept ist mit seinem spezifischen Profil herausragendes Beispiel für die Qualität evangelischer Bildungsarbeit.
Wie Gedichte in DDR-Zeiten zu einer Form des Selbstausdrucks wurden, der auch unter veränderten historischen Bedingungen nach der Wende trägt, zeigt das Gespräch mit Esther-Marie Ullmann-Goertz.
Ein Beispiel für Predigtkultur und protestantische Liedkultur ist die mit einem Preis ausgezeichnete und gewürdigte Liedpredigt von Antje Rösener über Philipp Nicolais Lied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“.
Was die Begegnung mit Kunst und einem Künstler freizusetzen vermag, vermittelte ein Besuch im Atelier des Mechernicher Künstlers Hermann J. Kassel, mit dem eine intensive Auseinandersetzung mit der Bild-, Denk- und Lebenswelt des Künstlers begann (auch) ein exemplarischer Bildungsprozess, der für verschiedene Formen des künstlerischen Ausdrucks und für soziokulturelle Lebenszusammenhänge sensibilisierte.
Das Bildprogramm dieses Heftes stellt die Arbeiten Hermann J. Kassels vor. Für die Überlassung des Bildmaterials sei ihm an dieser Stelle gedankt.
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Heft 3/2007 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Werte sind das Thema dieses Heftes. Die Debatte um Werte ist von hoher Aktualität. Sie wird an vielen Orten, in der Wissenschaft, in der Politik, in den Kirchen geführt. Es ist vom Wertewandel und vom Werteverfall die Rede. Es wird nach den Werten in der Zeit der Globalisierung gefragt. Beklagt werden die Schwierigkeiten der Wertevermittlung an die nachwachsende Generation und es wird das Motto ausgegeben: „Kinder brauchen Werte“.
Es scheint verloren, was sicher und verlässlich galt. Deshalb der Ruf nach einer klaren Wertorientierung und einer Rückbesinnung auf Werte oder auf die „eigenen“ Werte, damit „uns die ‚offene’ Gesellschaft nicht um die Ohren fliegt“, so z. B. Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Jürgen Rüttgers bei seinem Besuch der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (2006). Da der soziale Zusammenhalt in Frage zu stehen scheint, werden besonders die Kirchen als vermeintliche „Wertegaranten“ oder Wertelieferanten angesprochen, weil, so die Argumentation, die Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhielten, die des christlich-jüdischen Abendlandes seien. Demgegenüber steht die Position, die Religionen als notwendig partikular und damit im Blick auf die Gesellschaft eher als Kraft der „Spaltung“, denn als Faktor des Zusammenhaltes sieht.
In dieser Gemengelage der Debatten entschloss sich die Theologische Kommission der DEAE, das Thema aufzunehmen und nötige Klärungen vorzunehmen. Es war ihr Anliegen, die Frage nach der Vermittlung von Werten und dem Beitrag evangelischer Erwachsenenbildung zur Bildung von Werten zu bearbeiten, vor dem Hintergrund, dass die EEB als wertorientierter Träger beansprucht, sich in der Bildungs(mit)verantwortung zu sehen. Die hier versammelten Beiträge sind der Ertrag.
Die Beiträge stellen sozialwissenschaftlich-philosophische Perspektiven und theologische Analysen zur Diskussion. Die thematische Grundlegung leistet Hans Joas. Er nimmt die begrifflichen Klärungen und eine zeitdiagnostische Einordnung des Wertethemas im Kontext gesellschaftlicher Modernisierung und deren zentralen Trends von Pluralisierung und Individualisierung vor. In einem zweiten Beitrag reflektiert er „‚realistische’ Wege religiös fundierter Wertevermittlung“ vor dem Hintergrund einer globalisierten und multikulturellen Gesellschaft.
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Die theologische Fundierung des Themas leistet Peter Dabrock und skizziert maßgebliche Positionen des theologischen Diskurses.
Friedrich Schweitzer beschreibt die Aufgaben und das Selbstverständnis evangelischer Erwachsenenbildung im Blick auf Wertebildung aus religionspädagogischer Perspektive. Als pluralismusfähige Erwachsenenbildung und Teil der Zivilgesellschaft ist sie Partnerin des Diskurses und Mitgestalterin des Dialogs. Das konkretisiert er dann für vier zentrale und profilrelevante Felder der evangelischen Erwachsenenbildung: für die interkulturelle Bildung, die Persönlichkeitsbildung, die politische Bildung und die Elternbildung. Bernhard Dressler fokussiert in seinen Thesen die Möglichkeiten und Grenzen von Werteerziehung und Wertevermittlung im Bildungskontext. Die Texte von Hufer und Harz vertiefen das Thema Werte und die Diskussion darum für die Politische und die Elternbildung. Auf die Thesen des Rates der EKD zur religiösen Bildung im Elementarbereich in der Rubrik Dokumentation sei in diesem Zusammenhang noch hingewiesen.
Unsere katholische Partnerorganisation, die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE) feierte in diesem September ihr 50jähriges Jubiläum. Dieser Anlass wird in einem Bericht, dem offiziellen Grußwort des Vorsitzenden der DEAE, Hans-Gerhard Klatt, sowie in einem Beitrag von Andreas Seiverth gewürdigt. Dokumentiert wird zudem die bildungspolitische Erklärung des Vorstandes der KBE zum Jubiläum.
Aus der EEB lesen Sie noch zwei Berichte über bemerkenswerte Fortbildungen, die das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e. V. durchführt zu „Spiritueller Kompetenz“ und zu „Interkultureller Kompetenz“.
Ihre besondere Aufmerksamkeit möchte ich noch auf die Rezension des neuen Buchs von Karl Ernst Nipkow lenken, des Altmeisters der Religionspädagogik. Er unternimmt es, den „überraschenden Reichtum vergessener und verdrängter friedenserzieherischer und theologischer Einsichten seit der Epoche von Humanismus und Reformation wieder sichtbar“ zu machen.
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Heft 2/2007 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
in Deutschland werden immer weniger Kinder geboren, die Gesellschaft wird älter und gemischter, die Bevölkerungszahl sinkt. Wie wird die steigende Zahl von alten und eine sinkende Zahl von jungen Menschen die Gesellschaft verändern und wie geht diese damit um? Nachdem die mediale Welle der Skandalisierung des demografischen Wandels abgeebbt ist, rückt die ernsthafte Suche nach schlüssigen Antworten auf die komplexen Anforderungen in den Vordergrund und ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Was bedeuten diese Veränderungen für die Zukunft der Familie, die Zukunft der Wirtschaft und des Sozialen und für die Zukunft von Bildung und Wissenschaft? Wie können sie gestaltet werden? Welchen Herausforderungen sieht sich die Erwachsenenbildung gegenüber, welche Konsequenzen resultieren für sie aus dem demografischen Wandel?
Diese Fragen werden in Beiträgen dieses Heftes1 einleitend auf der Basis der empirischen Daten und prognostizierbaren Entwicklungen behandelt. Der Beitrag von Hans-Ulrich Oel, Leiter des Referats „Demografischer Wandel“ in der Staatskanzlei Brandenburg, beschreibt die Realitäten und Trends, benennt Chancen und Gestaltungsaufgaben, fordert einen Ressort- und Fach- und Wahlperioden übergreifenden Politikansatz. Ina Doettinger, Projektmanagerin des Forums „Demografischer Wandel“ der Bertelsmann Stiftung, schlägt die Brücke von heute in die nahe Zukunft mit einem Gedankenexperiment: „Wie stellen Sie sich Deutschland 2020 vor?“ Lernen, leben und arbeiten in der Wissensgesellschaft vor dem Hintergrund dieser drei dominanten Trends „weniger, älter, bunter“ beschreibt Doettinger, unter Bezug auf Globalisierung und technischen Fortschritt, mit internationalem pädagogischen Seitenblick und normativem Bezug („Keinen verloren geben“ (W. Huber) und „allen Menschen Teilhabe ermöglichen“) die gesamtgesellschaftlichen Bildungsaufgaben und bildungspolitischen Aufgabenstellungen.
Dieter Nittel, Erwachsenenbildungswissenschaftler, benennt und diskutiert in seinem Beitrag „(Neue)Bildungsaufgaben und Lernfelder unter dem Eindruck des demografischen Wandels“. Er skizziert bedenkenswerte Konsequenzen für das Bildungswesen als Ganzes: „Der demografische Wandel zwingt die Bildungspolitik unter dem einheitsstiftenden Label des lebenslangen Lernens zu einer ganzheitlichen Perspektive und (... dazu), die Wechselbeziehungen zwischen den Bildungsbereichen stärker zu bedenken“. Dann fokussiert er den Bereich der Erwachsenenbildung, dem sich „die Chance biete, im Rahmen eines gesellschaftlichen Großexperiments zu überprüfen, ob Bildung im Alter sich als tragfähiger Vergesellschaftungsmodus und als Medium der Sinnstiftung zu bewähren vermag“, und Erwachsenenbildung jener beschriebene „Motor fortschreitender Modernisierung“ ist, der letztlich von ständiger Veränderung lebt, die sie sensibel mit Konzepten und Angeboten pädagogisch aufgreift (O. Schäffter).
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In jedem Falle hat sich in den vergangenen Jahren im Rahmen der institutionalisierten Erwachsenenbildung ein „dynamisches und entwicklungsfähiges“ Segment der Bildungsarbeit mit Älteren etabliert, was nicht nur dieser Beitrag beleuchtet, sondern auch das „Schlüsselwerk“ der Altersbildung von Silvia Kade belegt, das in diesem Heft vorgestellt wird. Unter dem Aspekt des demografischen Wandels stehen der Erhalt des gesellschaftlichen Innovationspotenzials und die gesellschaftliche Produktivität Älterer im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements im Zentrum.
In einer grundsätzlichen und kritischen Weise setzt sich der Beitrag von Eva Gösken, Dieter Köster und Cornelia Kricheldorff mit den Bildungszielen des 5.Altenberichtes und dem Bildungsbegriff der Altersbildung auseinander. Sie plädieren mit Nachdruck dafür, dass Altersbildung eine Brückenaufgabe wahrnehme: Zieloffene Lernprozesse im Sinne von Entwicklungs-, Such-, Klärungs- und Vergewisserungsprozessen müssen in der Altersbildung ihren Raum haben, neben zielbezogenenen Lernprozessen z. B. qualifikatorischer Art.
Wie sich Weiterbildung als Mitgestalterin des demografischen Wandels versteht und welche Handlungsperspektiven sich hier eröffnen, zeigt der Text des Landesbeirates für die Weiterbildung des Landes Brandenburg, der in der Rubrik „Dokumentation“ veröffentlicht ist.
Aufgenommen wird das Thema noch in weiteren Beiträgen des Heftes: In der theologischen Perspektive des 1. Petrusbriefes kommentiert Aribert Rothe zwischen „Schrumpfen und hoffen, hoffen und schrumpfen“: „eine hoffnungsträchtige Heilsbotschaft taugt auch fürs Heilschrumpfen“. Beiträge von Projekten und aus der Praxis evangelischer Bildungsarbeit runden den Schwerpunkt ab.
„Jung alt“/“alt jung“ ist auch das Thema unseres Bildprogramms: Lassen Sie sich bei Ihrer Lektüre durch Bild-Assoziationen aus dem Tierreich begleiten.
Auf zwei wichtige Beiträge „außer der Reihe“ möchte ich noch ausdrücklich hinweisen. In diesem Heft lesen Sie den 2. Teil des Beitrags von Uta Pohl-Patalong, der die Frage „Glauben weitergeben“ jetzt milieuspezifisch und nach Lebensstilorientierung durchbuchstabiert, um die jeweilige Ansprechbarkeit für kirchliche Bildungsangebote zu prüfen und für die konkrete Bildungsarbeit die Wahrnehmung zu schärfen.
Der Literaturbericht Ralph Bergolds bietet einen vorzüglichen und umfassenden Überblick über religionspädagogische Publikationen zur theologischen Erwachsenenbildung und die Forschungslage.
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Heft 1/2007 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Bildung als Aufgabe und Lebensäußerung von Kirche in Rückblick und Ausblick ist das Schwerpunktthema dieses Heftes. Dabei ist der Bogen über mehr als ein halbes Jahrhundert gespannt: Er reicht von den 1960er Jahren bis heute und darüber hinaus bis ins Jahr 2030, dem End- und Zielpunkt der Projektion des Impulspapiers der EKD „Kirche der Freiheit“, das den Versuch macht, die Gestalt der evangelischen Kirche im 21. Jahrhundert zu beschreiben. Der Bogen reicht von Ernst Lange, dem begabten, kreativen Theologen, dessen Denken die Gründer-Generation der ErwachsenenbildnerInnen in der evangelischen Kirche maßgeblich prägte, und der in diesem Jahr 80 geworden wäre, bis hin zu den heutigen Problemlagen und zukünftigen Perspektiven für die Bildungsarbeit und die Erwachsenenbildung im Raum der evangelischen Kirche. Dabei sind die Bezüge frappierend: Lange war in der Zukunft zuhause. Für ihn war die Zukunftsfähigkeit der Kirche vor dem Hintergrund der Ergebnisse der EKD-Mitgliedschaftsstudie von 1974 mit dem damals „neu entdeckten“ und erstmals formulierten „Bildungsdilemma“ eng verbunden mit ihrer Fähigkeit, sich auf Bildungsprozesse einzulassen: Kirche kann nicht mehr auf gewohnte Selbstverständlichkeiten setzen, die Mitgliedschaft muss eine verstandene, bejahte, persönlich übernommene Mitgliedschaft sein. Das ist (auch) Ausdruck und Essenz des protestantischen Prinzips. Bildung in diesem Sinne wird verstanden als Weg zur Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung, zu Mündigkeit, Autonomie und Freiheit. Sie erscheint als „Sprachschule für die Freiheit“. Sich dieser Wurzel zu erinnern und ihr verpflichtendes Erbe lebendig zu erhalten, ist das Anliegen der Beiträge von Johannes Beck und Dirk Oesselmann, die mit der Erinnerung an Lange die an Paulo Freire, den „Bruder im Geiste“, verknüpfen, und daraus Maßstäbe für heutiges Bildungsdenken formulieren. Im Bericht Hans-Gerhard Klatts über eine Veranstaltung in Bremen wird nachvollziehbar, wie produktiv „Annäherungen an Ernst Lange“ heute sind. Die politische und ökumenische Dimension, die auch Ernst Langes Denken prägte, ist heute in Gestalt der Globalisierung präsent. Die Vielschichtigkeit der Globalisierung und die Bezüge zu Ernst Langes ökumenischer Utopie stellt der Text Hans-Gerhard Klatts dar und her.
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Das Impulspapier des Rates der EKD „Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21.Jahrhundert“, verfasst vor dem Hintergrund eines fortgeschrittenen Traditionsabbruchs bis hinein in die Reihen der Kirchenmitglieder, wird in dem Beitrag von Fritz Erich Anhelm kritisch gewürdigt und gibt Anlass zu der grundsätzlichen Frage: „Welche Kirche braucht das Volk?“ Anhelm mustert die kirchlichen Arbeits- und Handlungsfelder durch und gibt plausible Antworten. In jedem Falle „braucht das Volk“ eine Kirche, die sich mit dem Thema Bildung sehr grundsätzlich auseinandersetzt und anschlussfähig ist an die gesellschaftlich relevanten Bildungsdiskurse, um darin die eigenen Positionen mit Nachdruck zu vertreten.
Das Impulspapier beschreibt als Aufgabe von Bildung, Menschen darin zu unterstützen, zu Subjekten der eigenen Lebensgeschichte zu werden. Dazu gehören existenzielle Orientierung, Auseinandersetzung mit religiösen Überlieferungen und christlichen Wissensbeständen und die Unterstützung in der Ausbildung einer religiösen Identität, die „Sprachfähigkeit im Glauben“. Wie sehr christlicher Glaube heute im Wesentlichen ein Thema von Bildung ist, wird im Beitrag von Uta Pohl-Patalong historisch und systematisch durchbuchstabiert. Sie legt überzeugend und argumentativ ausholend dar, dass Bildung ein wesentliches Instrument angesichts der „Relevanzkrise“ der Kirche ist. Die Frage, welche Bildungsbemühungen eigentlich welche Menschen sinnvoll erreichen, wird unter Bezugnahme auf die 4. Mitgliedschaftsstudie in der Fortsetzung dieses Beitrags im nächsten Heft beantwortet.
Einen besonderen Aspekt des Themas „Religiöse Erwachsenenbildung“ beleuchtet die wichtige Rezension des Buches von Gudrun Hackenberg-Treutlein zur Frage der Kriterien für die Professionalität in diesem Arbeitsfeld durch Margaret Fell, auf die ausdrücklich hingewiesen wird. Darin wird curriculare Offenheit und persönliches Engagement gegen eine „vermessende Pädagogik“ in Zeiten des „Pisafanatismus“ reklamiert.
Dieses Heft erscheint leider aufgrund von Ressourcenengpässen im letzten halben Jahr mit Verzögerung. Wir bemühen uns, unseren Erscheinungsrhythmus in diesem Jahr wieder zu erreichen.
Ich wünsche Ihnen anregende gedankliche Streifzüge, wozu Sie auch die Bildmotive dieses Heftes inspirieren mögen.
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Heft 4/2006 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Netzwerke sind heute allgegenwärtig, finden sich in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.
Netzwerke und „networking“ sind Chiffren für persönliche Unterstützung und Zusammenarbeit. Die große Bedeutung, die Netzwerken beigemessen wird, ist eine emotional bedingte Reaktion auf Veränderungen, die Ulrich Beck in den Begriff „Risikogesellschaft“ gefasst hat, und die Hans Joas mit der Formulierung „Leben angesichts gestiegener Kontingenz“ beschreibt. Wesentliches Merkmal dieser Entwicklungen und neoliberaler Gesellschaftskonzepte ist, den Einzelnen die Verantwortung für alle Risiken des Lebens zuzuweisen.
Netzwerke können auffangen, aber auch einfangen. Sie können Einzelnen Vorteile bringen, den Spielraum anderer, die sich in der Position von Gegnern und Rivalen befinden, einschränken.
Die Organisationstheorie und -praxis beschreibt mit Netzwerken organisationale Gebilde mit einer spezifischen Zielsetzung ohne ausgeprägte Hierarchien. Seit den 60er Jahren haben Netzwerke verstärkt Konjunktur, sie entstanden im Gegenüber zu fest gefügten Organisationen. Sie sind ein Merkmal der „neuen sozialen Bewegungen“ und eine Antwort auf die zunehmende gesellschaftliche Komplexität, auf Intransparenz, das abnehmende Vertrauen in Zentralismus und in zentrale Steuerung und auf die Notwendigkeit, sich verändernden Rahmenbedingungen zu stellen.
Dieses Heft rückt das Thema „Kooperation und Vernetzung in der Erwachsenen- und Weiterbildung“ in den Blickpunkt und vermittelt eine erste Zwischenbilanz des Programms „Lernende Regionen - Förderung von Netzwerken“, das 2001 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert wurde und Mitte 2006 in die Vertiefungsphase ging. Kooperation und Vernetzung sind Elemente einer Strategie, um lebensbegleitendes Lernen zu realisieren. Den Ausbau der für lebenslanges Lernen notwendigen Rahmenbedingungen zu unterstützen, beabsichtigt das BMBF-Programm. Dieses stellt Gertrud Wolf in seinen Grundzügen vor. Konkret und in seinen Wirkungen und Auswirkungen sichtbar wird es in den Beiträgen aus der Lernenden Region Aachen und über das Netzwerk ElternLernwelt Essen.
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Netzwerke im Weiterbildungsbereich verfolgen vorwiegend diese Ziele: Koordination der Leistungen und Angebote, Schaffung besserer Informationsmöglichkeiten für NutzerInnen, qualitative und bedarfsgerechte Verbesserung des Angebots, Ressourcenbündelung und -nutzung, gemeinsames Qualitätsmanagement und Initiierung von Innovationen.
Kooperation und Vernetzung haben auch eine „handwerkliche Seite“. Dabei geht es z. B. darum, Ziele, Aufgaben und Rollen im Netzwerk zu klären, Methoden der Konsensbildung zu vereinbaren, geeignete Arbeitsstrukturen zu entwickeln, Verbindlichkeit im Netzwerk herzustellen, die Balance zwischen Kooperation und Konkurrenz zu entwickeln, Konflikte zu bearbeiten. Es gilt, Netzwerkarbeit erfolgreich zu gestalten. Wie das gelingen kann, zeigen Ursula Wohlfarts Ausführungen.
Weiter ist Vernetzung und vernetztes Arbeiten ein wesentliches Element professionellen Handelns in der Erwachsenen- und Weiterbildung. Lebensweltliche Verankerung der Angebote durch Kooperation mit zivilgesellschaftlichen und anderen Akteuren und Einrichtungen vor Ort, die Komplexität von Bedarfslagen, die Bündelung von Know-how, die Kompensation institutioneller Defizite sind hier die Motivlagen. Das reflektiert der Beitrag von Wolfgang Jütte.
Auch die Rezensionen dieses Heftes nehmen den Schwerpunkt auf.
Netzwerke sind auch prominentes Thema der neuen Rubrik im „Forum Erwachsenenbildung“ „Aus Europa Für die EEB“. Ein Netzwerk ist für sie sozusagen konstitutiv: das InfoNet Adult Education. Ein Gutteil der Beiträge wurde von diesem Nachrichtendienst beigesteuert. Hingewiesen sei hier noch ausdrücklich auf die Vorstellung des neuen europäischen Bildungsprogramms „Aktionsprogramm für Lebenslanges Lernen“, das am 01.01.2007 in Kraft getreten ist (Hans Georg Rosenstein/Gabriele Schneider).
Was lesen Sie noch in diesem Heft: Verschiedene Beiträge über Projekte aus der Bildungsarbeit mit MigrantInnen und mit Älteren. Besonders zur Lektüre empfehlen möchte ich noch den fundierten Beitrag von Renate Ruhland zur Sinnfindung und Spiritualität im Alter.
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Heft 3/2006 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
„Bildung von Anfang an“ war das Thema einer Tagung, die im Mai in Hannover stattfand, veranstaltet und verantwortet von einem Verbund kooperierender evangelischer Dach- und Fachverbände der Erwachsenen- und Familienbildung, der Familienberatung und Familienpolitik (DEAE, eaf-Bund, BAG Ev. Familienbildungsstätten, EKFuL/EZI), deren Beiträge hier zur Diskussion gestellt werden. Die Beiträge der Tagung greifen Diskurse, die in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft geführt werden, mit dem Ziel einer Urteilsbildung und eines Transfers in die Handlungsfelder der jeweiligen Fachdisziplinen auf.
Ausgangspunkt ist die zentrale Frage der Bildung und die Diskussion um Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen, wobei die Vielgestaltigkeit von Bildungsorten auch außerhalb der Kinder- und Jugendhilfe herausgestellt wird und die besondere Bedeutung der Familie als Bildungsort in den Blick rückt. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Bedeutung von Bildung und des Ertrags für die Wohlstandsentwicklung und das wirtschaftliche Wachstum in der Wissensgesellschaft stellt sich die Frage nach der Gestalt und Gestaltung unseres Bildungssystems und nach dessen Leistungsfähigkeit. Die Einsicht, dass Bildungsausgaben die entscheidenden Zukunftsinvestionen gerade auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind, ist ebenso Antriebskraft wie die Einsicht in die Defizite des Systems der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung wie eine neue Sicht auf das Kind.
In dieser Diskussion laufen also verschiedene Fäden zusammen. Sie reagiert auf unterschiedliche Problemanzeigen. Das „neue“ Bild des Kindes rückt dieses als Subjekt in den Blick. Man spricht vom „kompetenten Kind“. Es wird die Frage diskutiert, welche Bildungsgelegenheiten man Kindern in den frühen Jahren zu Beginn des 21. Jahrhunderts schuldet. Und es ist evident, dass in der Kindheit die Weichen für einen chancengerechten Zugang zu Bildung gestellt und die Grundlagen für Lernen und Lernmotivation gelegt werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allem der Hirnforschung, der Kognitions- und der Entwicklungspsychologie lenken die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Bildungsaufgabe in den frühen Jahren.
Die Ergebnisse der Hirnforschung stellt der Beitrag von Gerald Hüther vor, dessen besonderes Interesse der Umsetzung seiner Erkenntnisse in eine gezielte Förderung von Kindern und einer „zugewandten Erziehung“ gilt. Nicole Becker befragt die Einsichten der Hirnforschung kritisch im Blick auf deren Relevanz für pädagogische Fragen und deren Anspruch, Aussagen über Lernen und Lehren zu machen oder gar „Rezepte zur Optimierung“ zu liefern.
Fabienne Becker-Stoll reflektiert in ihrem Beitrag die entscheidenden Faktoren frühkindlicher Entwicklung und die Wechselwirkung mit dem Verhalten der Eltern.
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Weiterhin ist die Einsicht, dass Familie der entscheidende Bildungsort ist, die Basis für einen breiten Konsens, die öffentliche Unterstützung für Eltern auszubauen. Neben Massnahmen zur Stärkung der Erziehungs- und Bildungskompetenz von Eltern dazu die Vorstellung eines Programms zur Elternbildung von Johanna Graf und Sabine Walper sollen die bildenden Angebote im Rahmen der Tagesbetreuung in Kitas Entlastung für Familien sein, Kindern allgemein eine anregende Lernumgebung zur Verfügung stellen, und besonders Kindern aus Familien bildungsferner Schichten und/oder mit Migrationshintergrund zugute kommen. Der Beitrag von Helmuth Schweitzer stellt das erfolgreiche „Rucksack-Projekt“ vor und zeigt, wie das in der Praxis aussehen kann.
Diese Fragestellungen vertiefen die beiden Beiträge von Wolfgang Tietze und Karin Jurczyk, die die Ergebnisse und Empfehlungen der beiden jüngsten Sozialberichte, des 12. Kinder- und Jugendberichts und des 7. Familienberichts vorstellen.
Doris Sandbrink zeigt,welchen Beitrag die evangelische Erwachsenen- und Familienbildung beim Auf- und Ausbau neuer familienunterstützender Strukturen leisten kann.
Aufmerksamkeit Vertieftsein Entdecken Lernen die Fotos der Kinder von Jochen Fiebig sind mehr als eine Illustration der Beiträge zum Schwerpunkt dieses Heftes.
Neben diesem Schwerpunkt finden Sie in diesem Heft noch Argumente und Anregungen zur Diskussion des Impulspapiers „Kirche der Freiheit“ von Andreas Seiverth. Das Papier, das mit seiner Sollensgröße des „Wachsens gegen den Trend“ gegen das Absinken der Mitgliederzahlen anschreibt und damit die Latte der „Fallhöhe der Enttäuschung“ hoch positioniert, und unpräzise in seiner Analyse am eigentlichen motivationalen Grund für die verbreitete sichtbare Distanz zu Deutungsangeboten des Christentums vorbeigeht, wird von Seiverth hinsichtlich seiner „hermeneutisch-pragmatischen Grundvoraussetzungen“ exegetisiert. Es geht ihm vorrangig darum, die mit dem Papier verbundenen „Lernaufgaben zu identifizieren und daraus abzuleitende Bildungsprozesse zu initiieren und zu ermöglichen“. In zehn Punkten reflektiert er die strategischen Implikationen, die organisationalen Konzepte, die gesellschaftliche Situationsdeutung und „Sicht auf die Welt“, die Steuerungs- und Managementphilosophie und das Machtverständnis des Papiers.
Weiterhin sei noch besonders hingewiesen auf die Themen Gendergerechter Bildung in einem Bericht über ein badisch-pfälzisches Fortbildungsprojekt und der Bildungsarbeit mit Männern im Rahmen einer EU-Lernpartnerschaft und einer Standortbestimmung der Männerarbeit der EKD.
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Heft 2/2006 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
"Erwachsenenbildung - Lebenslanges Lernen: ein Spannungsverhältnis?" Dieses Heft unternimmt es, Diskurse über Bildung und Bildungsverantwortung in Kirche und Gesellschaft zu führen, Begriffe zu klären, Zusammenhänge zu verdeutlichen und Implikationen zu erhellen.
Der Begriff "Lebenslanges Lernen"(LLL) fokussiert die biografieüberspannende Perspektive des Lernens aus der Sicht des Lernenden. Ekkehard Nuissl zeigt in seinen Ausführungen die Konsequenzen dieser Sichtweise: Bildungsaufgaben werden nicht mehr auf Lebensabschnitte bezogen, der Lernende steht im Mittelpunkt, nicht das System oder die
Bildungsinstitution. LLL zielt in der autoritativen Definition der Europäischen Union auf Qualifikationen, Kompetenzen und Wissen. Im Fokus steht "Employability", die Beschäftigungsfähigkeit, der auch die Allgemeinbildung zu dienen habe. Vor dem Hintergrund dieser Analyse reflektiert Nuissl die Chancen und Risiken des Konzeptes "LLL" und fordert ein profiliertes und offensives Eintreten für die Werte des (Weiter-)Bildungssystems und der Erwachsenenbildung. Erwachsenen- und Weiterbildung tragen wesentlich dazu bei, die entstehende Wissensgesellschaft zu beherrschen und zu gestalten; sie gewährleisten überhaupt erst eine Lernfähigkeit von Erwachsenen durch biografische
Kontinuität und den Aufbau des Lernen-Lernens, so Nuissls Position, die das "Subjekt im Bildungsprozess" in den Mittelpunkt rückt. Klaus Meisels Beitrag liefert den Hintergrund. Er skizziert die aktuellen Zukunftstrends in der allgemeinen Erwachsenenbildung und beschreibt Zukunftsaufgaben und Herausforderungen. Die Zukunftsfähigkeit der Institution Weiterbildung thematisiert Ulrike Heuer und fragt, ob sich die Institutionalform Weiterbildung ihrer Modernität angemessen bewusst sei. Institutionen in der Veränderung wie Weiterbildungsinstitutionen bedürften eines fundierten Professionswissens, um sich als lernende Organisationen zu profilieren. Nur dann sind sie in der Lage, den Anforderungen einer Wissensgesellschaft zu begegnen. Weiterhin betont sie die Bedeutung von öffentlich ausgewiesenen und allgemein zugänglichen Räumen des Lernens für das Konzept der lebensbegleitenden Bildung.
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Die kirchlich zu verantwortende Bildungsarbeit und deren Voraussetzungen, der zweite Fokus dieses Heftes, wird in verschiedenen Beiträgen mit ganz unterschiedlicher Schwerpunktsetzung thematisch. Ralf Evers reflektiert ganz andere Dimensionen von Bildung und beschreibt als Essenz kirchlicher Bildungsarbeit: "Bildung und Religion geht es um die Frage nach der Menschwerdung des Menschen, beide müssen sich der Frage nach der Ermöglichung dieses Werdens stellen". Jürgen Frank stellt die bildungspolitischen Grundlinien der EKD vor und diskutiert die konzeptionellen und strukturellen Konsequenzen. Die mittelfristige Finanzplanung erfordert eine Reorganisation, um die substanziell erhaltenswerten Arbeitsfelder zu sichern. Damit sind auch die Zukunftsperspektiven der DEAE abgesteckt. Die Bedeutung kirchlicher Bildungsarbeit macht auch die 4. Mitgliedschaftsstudie der EKD deutlich, wie der Beitrag von Helmut Strack eindrücklich zeigt.
Die Zukunftsfragen von Kirche werden in zwei Beiträgen aufgenommen: Claudia Schulz wertet die 4. Mitgliedschaftsstudie der EKD aus und fragt nach den notwendigen Lernaufgaben, um angesichts der Vielfalt der Lebensbezüge auch vielfältige Zugangswege zu Kirche zu öffnen. Andreas Seiverth unternimmt eine erste Sichtung des neuen Impulspapiers der EKD, eines "Strategieentwurfs des deutschen Protestantismus", das unter dem Leitmotiv "Kirche der Freiheit" beansprucht, Perspektiven für das 21. Jahrhundert zu formulieren.
Was lesen Sie noch in diesem Heft? Einen Beitrag von Dajana Baum zu den milieuspezifischen Bedingungen des Lernens, der die Erträge der Milieuforschung für eine zielgruppengerechte Angebotsentwicklung aufzeigt.
Weiter finden Sie verschiedene Tagungsberichte, einen Bericht über ein kirchenpädagogisches Fortbildungsprojekt für Mitarbeitende "Offener Kirchen" und über ein zu schaffendes Netzwerk literarischer Lernorte "Literatur an Ort und Stelle". Den Reichtum evangelischer Erwachsenenbildung illustriert pars pro toto dieser kleine Bericht.
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Heft 1/2006 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
im Fokus Altersbildung: Dieses thematische Schwerpunktheft des Forum Erwachsenenbildung entfaltet unter dem Titel „Kräfte wahrnehmen Übergänge gestalten“ Perspektiven der Bildungsarbeit mit Älteren.
Die Bedeutung dieses Bildungssektors wächst stetig. In den letzten drei Jahrzehnten hat es sich hier in der Bundesrepublik als „dynamisches und entwicklungsfähiges“ Segment der Erwachsenenbildung formiert. Entstanden ist ein „innovatives Feld an Bildungsangeboten ohne historisches Vorbild“ (D. Nittel) mit einem breiten Spektrum an Zielsetzungen vom Lernen des Älterwerdens, Umgang mit Krisen- und Grenzsituationen, der Auseinandersetzung mit dem Lebenssinn, der Teilhabe an der Lebenswelt und der Gesellschaft, der Selbstbestimmung und Mitgestaltung.
Im Zentrum der gegenwärtigen Diskussion steht der demografische Wandel, das „Altern der Gesellschaft“ (H. Kohli) und ein Bild des Alters, das eine starke Veränderung erfahren hat. Autonomie ist das Zielbild. Die Phase des Alters ist eine eigenständige Lebensphase und „wertvolle“ Lebensspanne mit Potenzialen, die es auszuschöpfen gelte. Die ältere Generation ist gesünder, gebildeter, materiell besser abgesichert, aktiver. Und nur durch die Bereitschaft der Älteren, Verantwortung für sich selbst und die Gesellschaft zu übernehmen, kann der demografische Wandel bewältigt werden. Bildung im Alter zählt damit zu den wichtigsten Handlungsfeldern gesellschaftlicher Partizipation. Dadurch, dass sich Einzelne engagieren und mit ihren Interessen einbringen, wird das Gemeinwesen gestärkt.
Neben den demografischen Prozessen ist es die Perspektive des lebenslangen Lernens, die Bildung im Alter immer wichtiger werden lässt. Der Begriff verweist auf die prinzipielle Unabschließbarkeit von Lern- und Bildungsprozessen. Die ältere Generation muss den Anschluss halten an die Wissensgesellschaft, wobei Bildung auch ein Modus ist „sich selbst und die Welt zu verstehen und daraus Handlungskompetenz zu gewinnen“ (D. Köster/R. Schramek) zur Gestaltung des eigenen und des gesellschaftlichen Lebens. Dadurch erweist sich Bildung als hoch effektives Medium der Vergesellschaftung.
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Sie lesen in diesem Heft die Beiträge zur DEAE-Tagung im Februar 2006. A. Kruse, der Vorsitzende der Kommission des 5. Altenberichts, fordert eine differenzierte gesellschaftliche Sicht auf das Alter. Er skizziert als (Leit-)Bilder des Alters „mitverantwortliches Leben“. R. Evers nimmt das Altern unter dem Aspekt fragmentarischen und abschiedlichen Lebens in den Blick. Der Beitrag von H. Schröder/R. Gilberg generiert neues Wissen. Er stellt die Ergebnisse einer Repräsentivbefragung zur Bildungsnachfrage älterer Menschen vor, prognostiziert die Bedarfe und thematisiert die Konsequenzen für die Angebotsstrukturen. C. Stadelhofer skizziert neue Lernfelder und -methoden der Altersbildung.
Die Texte der Rubrik „Aus der EEB Für die EEB“ nehmen grundsätzliche Fragestellungen auf und stellen Anwendungsfelder und verschiedene Projekte vor: Freiwilliges Engagement im dritten Alter und den Aspekt der Identitätsbildung durch bürgerschaftliches Engagement nach dem Beruf, Spiritualität und Religiosität im Alter und Konsequenzen für die Bildungsarbeit.
Globales Lernen im dritten Lebensalter und generationenübergreifende Umweltbildung sind innovative Arbeitsansätze. „SzenenWechsel“, ein Projekt der Theaterarbeit und das Projekt Lesepatenschaften zeigen die Produktivität des generationenübergreifenden Arbeitens. Zwei Beiträge befassen sich mit Hochaltrigkeit, Einschränkung und Demenz: „AnSehen“ mit der Sterbebegleitung an Demenz erkrankter Menschen; „Montessori für Seniori“ adaptiert pädagogische und therapeutische Erkenntnisse Montessoris, um die Alltagskompetenz und die größtmögliche Selbständigkeit zu erhalten.
Zwei weitere Beiträge thematisieren Qualitätsmerkmale und Ansätze der Qualitätsentwicklung in der Altersbildung, der gemeinwesenorientierten SeniorInnen- und der Offenen Altenarbeit.
Der besonderen Aufmerksamkeit empfohlen seien noch die Beiträge von H. Radebold zum „Altern der Kriegskinder“ und den Spätfolgen des Krieges und die Andacht von W. Wittrock, Inspirationen zu Bildung und Weisheit, sowie die Fotos dieses Heftes von TeilnehmerInnen des Körber-Foto-Awards 2005. Sie wurden uns von der Körber-Stiftung zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.
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Heft 4/2005 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
dieses Heft nimmt unterschiedliche Bildungsaufgaben in den Blick.
Bürgerschaftliches Engagement ist eines der Schlüsselthemen für heutige Bildungsarbeit mit historisch bedeutsamen Wurzeln im 19. und 20.Jahrhundert in der Arbeiterbewegung und der Frauenbewegung, die auch Bildungsbewegungen waren. Hier verbanden sich die Motive der Selbsthilfe und Emanzipation mit politischer Interessenvertretung. Heute ist das bürgerschaftliche Engagement das Herzstück der Zivilgesellschaft.
Dessen Bedeutung für eine "vitale Bürgergesellschaft" entfaltet Heiner Keupp in seiner Analyse der gegenwärtigen Entwicklungen. Eine adäquate Antwort auf den seit den 70er Jahren wirksamen Modernisierungsschub ist weder "fürsorglicher" noch "obrigkeitlicher" Staat, legt er überzeugend dar, sondern das Engagement der Bürger. Getragen von Eigeninitiative und Eigensinn zielt es darauf, zusammen mit Anderen die Lebensgrundlagen für Alle zu verbessern. Dieses Engagement ist Ausdruck der Verantwortung für das Gemeinwesen, der Selbstsorge und Antwort auf die Frage nach dem Lebenssinn.
Bürgerschaftliches Engagement bedarf "zivilgesellschaftlicher Kompetenzen". Diese zu entwickeln, zu fördern, produktiv werden zu lassen, ist eine wesentliche Aufgabe der Erwachsenenbildung. Rainer Brödel zeigt in seinem Beitrag die Praxisfelder auf und beschreibt Anforderungen und Gestaltungsaufgaben für Arbeitsfeld und Profession. Bürgerschaftliches Engagement ist nicht nur Thema der politischen Bildung, sondern ebenso für die im kirchlichen Bereich so wichtige Bildungsarbeit mit Älteren. Brödel plädiert für ein neues "dienstleistungsorientiertes Professionalitätskonzept".
In einem weiteren Zusammenhang formuliert der Aufsatz "Kirche als Prozess" von Ulrich Schwab Bildungsaufgaben. Schwab reflektiert die Bedeutung der "Themenzentrierten Interaktion" als einen gruppenbezogenen Ansatz "lebendigen und kommunikativen Lernens", skizziert dessen Produktivität in der Nachkriegsgeschichte der Kirche und diskutiert seine Wirksamkeit im Blick auf kirchliche Handlungsfelder und Arbeitsweisen. Er prüft die "innere Passung" der Menschenbilder von TZI und Bibel und fragt nach der Zukunft dieses Ansatzes angesichts von Entwicklungen, die er als "funktionale und pragmatische Wende" beschreibt. Schwabs Leitvorstellung ist die einer "lebendigen Kirche auf dem Weg". Das hat Konsequenzen für den Umgang mit Gruppen- und Interessenkonflikten ebenso wie für die notwendigen Strukturanpassungen in der Kirche. Hier ist die Themenzentrierte Interaktion ein guter "Partner".
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Genderkompetenz und Bildung im Geschlechterverhältnis sind Themen der Beiträge von Tatjana Botzat und Ayla Satilmis. Der Aufsatz von Ayla Satilmis skizziert die Veränderungen in der Arbeitswelt, die Arbeitsverdichtung und -intensivierung, den Trend zur Selbstökonomisierung als Rahmen für das Verhältnis von Frauen und Männern und beleuchtet diese Veränderungen in ihrer Geschlechtsspezifik. Ihre Analyse mündet in der Forderung, die Arbeitsbedingungen der Erwerbsarbeit und die Familien- und Hausarbeit zusammen zu sehen, um "die aus dem Wandel der Arbeit resultierenden Herausforderungen sozial- und geschlechtergerecht zu bewältigen".
Tatjana Botzat reflektiert die Fortbildungskonzepte zur Vermittlung von Genderkompetenz und vermisst eine angemessene Auseinandersetzung mit der Frage von Lernmotivation und Lernwiderständen. Genderkompetenz ist von zentraler Bedeutung für die Umsetzung des Konzepts des Gender Mainstreaming und für die Chancen einer aktiven Gleichstellungspolitik. Das Konzept des Gender Mainstreaming stellt wirksam die gängige und immer noch verbreitete Nichtbeachtung von Geschlechterzugehörigkeit in Frage, was die Hartnäckigkeit von Widerständen erklärt. Botzat fordert deren Bearbeitung in ihrer Psychodynamik in Gender-Fortbildungen und gibt Hinweise zu Konzeptualisierungsfragen.
Die Herausforderungen und Arbeitsaufgaben der Familien-Bildung sind ein weiterer Schwerpunkt dieses Heftes, aufgenommen in drei Beiträgen bzw. Texten, im "Forum Bildungspolitik", im Bericht über die Tagung der DEAE "FamilienBildung quo vadis?" und in der Rubrik "Dokumentation", die den familienpolitischen Teil des Koalitionsvertrages präsentiert, der den Rahmen der Politik der kommenden Legislaturperiode absteckt. Strukturfragen werden den Arbeitsbereich zukünftig nachhaltig beschäftigen.
In diesem Heft finden sie noch Beiträge zu neuen und innovativen Arbeitsformen, wie den Bericht über das KBE-Projekt "Treffpunkt Ethik" und einen Bericht über die Verleihung des "Preises für Innovation in der Erwachsenenbildung" des DIE, der die prämierten Modelle und neuen Konzepte vorstellt.
Die Bilder dieses Heftes von Joachim Faber sprechen ihre eigene Sprache: Uhrwerke, Zahnräder, Ventile, Leitungen, Arbeitsmaschinen, Kommunikationsapparate ... Sie wollen nicht einfach illustrieren. Die aber durchaus bedachten Bezüge zu den Inhalten des Heftes sind dem Betrachter anheim gegeben. Die Bilder sind ein Beitrag des Projektes "Fotobörse der DEAE", die Fotos sammeln und der EEB-Community zur Nutzung zur Verfügung stellen will.
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Heft 3/2005 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
"Doppelte Zukunft": Dieses Heft nimmt zwei Perspektiven in den Blick, die Zukunft Europas und die Zukunft der Erwachsenenbildung. Beide Perspektiven sind verschränkt. Europa ist - auch - ein zentrales Bildungsthema. Und die Erwachsenenbildung wird europäischer und globaler werden.
Mit der Erweiterung der Europäischen Union im Mai 2004 auf insgesamt 25 Mitgliedsstaaten rückt Europa näher zusammen. Nach der weit gediehenen Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit durch gemeinsame Währung und Binnenmarkt ist die Gestaltung eines "Europäischen Bildungsraumes" eine der entscheidenden zukünftigen Herausforderungen. Gerade die so nicht erwartete Ablehnung der Europäischen Verfassung fordert "Verständigungs- und Übersetzungsarbeit" jenseits der vertrauten und eingefahrenen Muster des Verstehens, argumentiert der Beitrag von Andreas Seiverth "Europäische Lernanlässe" .
Die Rolle der Religion in der Europäischen Gemeinschaft nimmt Laurens Hogebrink in den Blick und fragt nach den Aufgaben, die sich angesichts des zunehmenden Fundamentalismus stellen, der ebenso religiös wie säkular "grundiert" ist. Die "holländische Verwirrung", hervorgerufen durch zwei politische Morde und das Votum gegen die Verfassung, werfen Fragen nach dem Verhältnis von Respekt und Kritik und nach der Zukunft der multikulturellen Gesellschaft auf. Hogebrink plädiert dafür, die Rolle der Kirchen als Teil der Zivilgesellschaft neu zu definieren.
Zukunft der Erwachsenenbildung - Erwachsenenbildung für die Zukunft: Diese Fragestellung wird in diesem Heft von verschiedenen Seiten beleuchtet. "Was es heißt, wesentlich gebildet zu sein" diskutiert und meditiert Klaus Röhring. "Sich-selber-einholen" , sich auf sich selber besinnen, lautet eine erste Antwort. Röhring fragt weiter mit Kierkegaard und Schleiermacher, was Bildung sei. Deren Antworten lesen sich als heute notwendige Kritik an einer Instrumentalisierung von Bildung. Dem "Diktat des Pekuniären und des Zweckrationalen", der Dominanz des Leitbildes des homo oeconomicus setzt Röhring kontrapunktisch die Daseinsfreude entgegen, die Kierkegaard mit diesen Erfahrungsqualitäten belegt: "Lebendigkeit - Existenz - Gegenwärtigkeit - Leichtigkeit" . Der Autor schließt mit einem Bekenntnis: "Sich-selber-einholen und ein Quodlibetarius (ein "Tausendkünstler" und nichtentfremdeter Mensch) werden, wäre dieser Lehrgang nicht ein vornehmes Ziel religiöser Bildung und somit auch der evangelischen Erwachsenenbildung?"
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Bildung ist die zentrale Aufgabe einer Gesellschaft, die sich als Gesellschaft im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft versteht. Wiltrud Giesekes Beitrag "Lernen in der Wissensgesellschaft" fragt nach neuen institutionellen Selbstinterpretationen der Erwachsenenbildung. Sie sieht die Zukunft in einer "offenen Lerngesellschaft", verortet in offenen, gesellschaftliche Veränderungen antizipierenden Weiterbildungsorganisationen, die auf Bildungsbedarfe schnell und flexibel reagieren. "Bildung für alle" bleibt der Anspruch in einer demokratischen Gesellschaft. Aber erst "institutionelle Zwischeninstanzen" garantieren, dass in der Breite der Bevölkerung Wissenspartizipation möglich ist und Innovationsbereitschaft entsteht.
Zukunft der Evangelischen Erwachsenenbildung: Zukunft aus der Vergangenheit. Die Evangelische Erwachsenenbildung feiert Geburtstag, gleich drei Mal in diesem Jahr. Vor 40 Jahren wurde die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Erwachsenenbildung in Bayern gegründet und entstand die Evangelische Erwachsenenbildung Niedersachsen als ein Zusammenschluss der Konföderation der Kirchen in Niedersachsen. Vor dreißig Jahren wurde das Bildungswerk Westfalen und Lippe gegründet. Rückblick auf Erreichtes und Ausblick in die Zukunft: Lotte Goldhammer bilanziert zutreffend "Rückschritte bei der Förderung - Fortschritte bei der Professionalisierung".
Den Herausforderungen der Zukunft zeigt sich Erwachsenenbildung in inhaltlich-konzeptioneller Sicht gut gewachsen. Ein Beispiel dafür ist der Bericht von Doris Sandbrink über ein Kooperationsprojekt aus Nordrhein-Westfalen "Weiterbildung geht zur Schule" . Die Leistungsfähigkeit des Arbeitsfeldes im Bereich Elternbildung zeigen die Berichte und Beiträge zum Forum der DEAE auf dem 30. Deutschen Evangelischen Kirchentag "Familien stärken - Elternkompetenz fördern".
In der Stellungnahme zu den Empfehlungen der Expertenkommission zur Finanzierung Lebenslangen Lernens verweist Wolfgang Wittrock für den Vorstand der ELAG in Rheinland-Pfalz auf den "übernützlichen Mehrwert der Bildung", die "Bürgerrecht und Kulturgut" zugleich ist, und fordert deren ordnungspolitische und finanzielle Sicherung ein.
Die Fotos dieses Heftes von Joachim Faber, Karlsruhe, zeigen die Gegenwart der Evangelischen Erwachsenenbildung: lebendig, interessiert, engagiert: "Kursarbeit live" .
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Heft 2/2005 - Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,
Erziehung braucht Bildung, diese Erkenntnis ist der Ertrag verschiedener Beiträge in diesem Heft. Elternbildung ist nicht nur ein wichtiges Arbeitsfeld der Evangelischen Erwachsenenbildung, sondern auch eine Aufgabe von hoher gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Die öffentliche Verantwortung für die Förderung der Erziehung in der Familie und für das Aufwachsen junger Menschen hatte bereits 2003 der vielbeachtete Beschluss der Jugendministerkonferenz konstatiert.
„Wer etwas für Kinder tun will, muss auch etwas für die Familie tun. Wer dafür sorgen will, dass Kinder Antworten bekommen, muss auch dafür sorgen, dass Eltern wissen, was und wie sie antworten sollen“, auch und gerade in religiösen Fragen, stellt Frieder Schweitzer in seinem Beitrag fest, der „Maßstäbe für Erziehung und Bildung im Lebenslauf“ diskutiert und die Aufgaben und Chancen kirchlichen Bildungshandelns herausarbeitet. Schweitzer betont besonders das Recht des Kindes auf Religion, erwachsend aus dessen Orientierungsbedürfnissen.
Mit der Frage nach der religiösen Bildung als Aufgabe der kirchlichen Elternbildung setzt sich sehr grundsätzlich Astrid Gilles-Bacciu auseinander. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die Beobachtung eines wachsenden Interesses an religiösen Fragen und an religiöser Erziehung bei Eltern bei bleibender eigener Fremdheit dem Glauben gegenüber. Dieser Widerspruch beschreibt auch ein religionspädagogisches Dilemma, weil das Bekenntnismodell der religiösen Erziehung aufgrund der Tatsache, dass viele Eltern nicht religiös oder distanziert sind, an seine Grenzen stößt. Sie entwickelt demgegenüber überzeugend ein pädagogisch geleitetes Konzept der religiösen Erziehung, das von einer Ethik der Erziehung ausgeht, deren christlichen Hintergrund sie entfaltet. Die Achtung des Kindes als Person nimmt auch dessen religiöses Interesse ernst und antwortet angemessen darauf.
Gesine Heffts Beitrag berichtet von einer Fortbildungsveranstaltung für Mitarbeiterinnen der Familienbildung. „Wo evangelisch drauf steht, soll auch evangelisch drin sein“: dieser Slogan reflektiert die Tatsache, dass die Bildungsveranstaltungen „unter dem Dach der Evangelischen Kirche“ stattfinden. Was hat das für Konsequenzen? Die Verfasserin plädiert überzeugend und theologisch begründet für das volkskirchliche Modell, gerade auch angesichts der Verteilungskämpfe und Sparvorgaben in den Kirchen.
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Das Thema Erziehungsverantwortung, Familienerziehung und Erziehungskompetenzen beleuchtet der Beitrag von Siegfried Keil, der das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates beim BMFSFJ vorstellt und kommentiert.
Der Themenschwerpunkt Eltern- und Familienbildung ist in der Rubrik „Aus der EEB Für die EEB“ mit den Beitrag „Kunst in der Familienbildung“ von Renate Goretzki über kreative und den Rahmen des Üblichen sprengenden, aber durchaus nachahmenswerte Kunstprojekten in der Familienbildung vertreten. Adelheid Smolka berichtet über neue mediale Angebote der Familienbildung, die Beiträge von Petra Sinkemat, Nicola Pöckler und Johannes Schopp stellen Elternkurse vor.
Besonders hingewiesen sei noch auf den Beitrag von Tilman Evers (bis 2000 Mitarbeiter der
DEAE
). Abgedruckt ist seine Rede anlässlich der Verleihung des Göttinger Friedenspreises an das Forum Ziviler Friedensdienst. Der Beitrag von Annette Mehlhorn bilanziert die Arbeit der interreligiösen und überparteilichen Fraueninitiative „Sarah und Hagar“, die sich auf den Weg gemacht habe „zu einem pluralen und geschlechtergerechten Europa“.
In der Dokumentation finden Sie noch die bedenkenswerten „Anmerkungen“ von
Andreas Seiverth
zum Verhältnis von Protestantismus und Erwachsenenbildung.
Die Rubrik „Extra“ finden Sie nur in diesem Heft. Die Fotoseiten und der Kurzbericht geben einen Eindruck von dem erfolgreichen Forum „Familien stärken Erziehungskompetenz fördern“, das die
DEAE
auf dem 30. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover veranstaltet hat.
Die Fotos der Skulpturen „Kleine Könige“ von Götz Sambale mit ihrem „jugendlichen Charme“, die sich in diesem Heft finden, haben nicht nur illustrativen Charakter. Die Skulpturen sind gewissermaßen kongenialer Ausdruck der Wahrnehmung des Kindes als eigene Person und Persönlichkeit, der mit Achtung zu begegnen ist und nehmen die Aussageintentionen der entsprechenden Beiträge in diesem Heft auf. Wir wünschen den LeserInnnen eine Begegnung mit den „Originalen“.
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Heft 1/2005 - Editorial
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
Räume sind zentrale Bezugspunkte von Menschen, sind „Strukturprinzip für innere und äußere Wirklichkeiten“. Als Lebens-Räume haben sie die vielfältigsten Bestimmungen. Sie dienen zum Wohnen, Beten, Arbeiten... Und sie weisen über die konkrete Nutzung hinaus. Sie tragen Bedeutungen und sie unterliegen der Deutung, die das geometrisch-euklidische Raumverständnis überschreiten. Die verschiedenen Wirklichkeitsbereiche und Disziplinen wie Theologie, Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Geographie, Stadtplanung, Film etc. haben eigene Sichtweisen, Vorstellungen, Konzepte. Für die Bildungsarbeit ist diese Dimension eine wichtige Reflexionskategorie. In diesem Heft werden zwei Perspektiven herausgegriffen: die von Theologie und Religionswissenschaften und die der (Stadt-)Planung.
Andreas Mertin untersucht die Verortung des Religiösen und stellt die unterschiedlichen und kaum in einem Modell zu bündelnden Raumkonzepte von der Bibel bis zur Postmoderne in ihrer Entwicklung vor. Der Beitrag beschreibt den „geistesgeschichtlichen Riss“ im Raumverständnis zwischen Offenbarungs- und Gefühlstheologen und das „räumliche Spiel der symbolischen Formen“ im ausgehenden 20. und beginnenden 21.Jahrhundert. Die räumliche Verdinglichung von Religion wird in der Moderne in Frage gestellt. Die Bewegung geht von den großen Raum-Mythen hin zu individuellen Raum-Mythologien. „Der religiöse Raum ist keine ontologische Realität (mehr ph), sondern wird durch religiöse Subjekte konstituiert“. Der heilige Raum ist ein „historisches Auslaufmodell“. Es gibt aber Räume und Orte von besonderer Qualität und von anderer Art, die als Zeugen einer „stummen Sakralisierung“ taugen, auf die z. B. diese Entgegensetzungen von öffentlichem und privatem Raum, von kulturellen und nützlichem Raum, vom Raum der Freizeit und von Raum der Arbeit verweisen. Die zu leistende Aufgabe lautet damit Heterotopologie. Heterotopien sind wirkliche Orte und Räume von besonderer Qualität, Orte und Räume, die „eine Art Widerlager oder Gegenplazierung“ darstellen. Was macht diese Qualität von heterotopen Räumen heute aus? Wie sind sie zu definieren, zu arrangieren, zu gestalten? Zu dieser Frage liefert Mertin vielfältige Anregungen.
Beispiele solch heterotoper Räume sind der EXPO-Pavillion der evangelischen und katholischen Kirche des Architekten Meinhard von Gerkan,
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der durch seine Ästhetik des Einfachen besticht, und das Haus der Stille der Abtei Königsmünster in Meschede von Peter Kulka. Ein „lagerndes Urtier“ am Hang der Apfelbaumwiese des Klosterberges, so beschreibt es P. Cosmas Hoffmann. Es ist Antwort und Angebot der Mönche an die Menschen, die im Gestrüpp des Lärms von heute einen Ort der Stille und des Schweigens suchen, um zu sich zu kommen.
Die Zukunft des „Erfolgsmodells Stadt“ ist Gegenstand der Überlegungen des Stadtplaners Andreas Fritzen. Dem bisherigen Leitbild der „Stadt der kurzen Wege“ stellt der Autor das der „Zwischenstadt“ gegenüber, um den Herausforderungen von demographischer Entwicklung, neuen Bedarfslagen des Wohnens und ökonomischen Entwicklungsszenarien zu begegnen. Fritzens Überlegungen gehen von einem Engagement aller in der Gestaltung neuer Lebens-Räume aus und sind ein Beitrag zur Zivilgesellschaft: „Die Zwischenstadt ist heute schon Lebensraum für die Meisten. Ihre Qualifizierung ist eine Aufgabe für viele mit (...)unfertigen Bild. Gerade hierin liegt die Chance“ auch für die Bildungsarbeit.
Qualität und Profession sind die weiteren Schwerpunkte dieses Heftes. Im „Forum Bildungspolitik“ werden drei verschiedene Qualitätsmodelle und Ansätze der Qualitätsentwicklung sowie die Zertifizierungsverfahren bzw. die Überlegungen dazu vor- und gegenübergestellt: das QVB-Rahmenmodell zur Qualitätsentwicklung von
DEAE
und Arbeit und Leben, der Gütesiegelverbund Weiterbildung aus Nordrhein-Westfalen und Lernerorientierte Qualitätsmodell Weiterbildung.
In der Rubrik „Aus der EEB Für die EEB“ werden Ansätze und Curricula zur Fort- und Weiterbildung von kirchlichen MitarbeiterInnen diskuriert. In Hessen-Nassau wird mit Erfolg ein Train the Trainer-Programm zur Qualifizierung von MitarbeiterInnen und Führungskräften durchgeführt. In Baden wurden die TZI-Kurse der Landesstelle für Erwachsenenbildung evaluiert. Die Evalutionsergebnisse stellt Peter Henecka vor.
Die Dynamik institutioneller Veränderungsprozesse in ihrer Bedeutung für die betroffenen Mitarbeitenden nimmt der Beitrag von Frederike Bracht in den Blick. Die Forderung von Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit von Familie, Elternschaft und Beruf als Gestaltungsanspruch an die Arbeitgeber in Diakonie und Kirche thematisiert der Tagungsbericht von
Petra Herre
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Heft 4/2004 - Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser.
Aktuelle Bildungsdiskurse stehen im Mittelpunkt dieses Heftes. Den
Beiträgen gemeinsam ist, dass sie zentrale Herausforderungen, denen sich Erwachsenen– und
Weiterbildung gegenüber sieht, zum Thema machen. Tiefgreifende Veränderungen werfen Fragen auf.
Was bedeutet die –neue– Europäische Union als Bildungsthema?
Welchen Stellenwert wird Bildung im erweiterten Europa haben und welche Gestalt, fragt Wiltrud
Gieseke. Sie nimmt die individuelle lernbiographische Dimension, die soziale Frage und das
verantwortliche Zusammenleben von Menschen in der Gesellschaft und die institutionellen Formen in
den Blick. Gieseke fordert eine institutionell zu sichernde lebensbegleitende Bildung und plädiert
für das deutsche Modell und System der Erwachsenen– und Wieterbildung. Damit würden entsprechende
Konzepte anderer Staaten und Gesellschaften gestärkt: "Wider Reduktionskonzepte" für eine
neue ‘Lerngesellschaft’. Sie sieht in lebensbegleitendem Lernen eine
"Notwendigkeit" für das Gelingen Europas. Gieseke fordert auf, Position zu beziehen und
fordert ein Identitätsbewusststein ein. Für den Weg eines demokratischen Europas sind die die
europäische Kultur prägenden christlichen Grundlagen, die Freiheits– und Menschenrechte,
das Erbe der Französischen Revolution, und die gesellschaftlichen Antworten auf die soziale Frage
entscheidend. Wenn es darum geht, der Europäischen Gemeinschaft "eine Seele zu geben" ,
kommt neben der Bildung auch der Religion eine herausragende Aufgabe zu. Um die Beantwortung der Frage
nach der christlichen Gestalt Europas heute bemüht sich der Beitrag von Paul Zulehner.
Der Beitrag von Andreas Seiverth fragt gegenwartsdiagnostisch wie "unsere Zeit ‘in Gedanken zu fassen’" sei. Entgrenzung sei ein Schlüsselbegriff der "reflexiven Moderne" mit vielfachen Erscheinungsformen: entgrenzte Katastrophen, entgrenzte Märkte, entgrenzte Bildungszumutungen, Lernorte und Lernanlässe& Der Autor fokussiert die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, den "amoklaufenden Ökonomismus", der alles zu dominieren und seiner Definitionsmacht zu unterwerfen sucht. Im Gewand der Bildungsökonomie wandert er in die bildungspolitischen Diskurse ein. Die Entgrenzungsformel des Lebenslangen Lernens wird in diesem Sinne zur "Totalitätskategorie". Gegen diese Tendenzen setzt der Autor seine Hoffnung auf "weltbürgerliche Bildung".
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Die beiden nächsten Beiträge der Rubrik "Forum Bildungspolitik"
thematisieren den Abschlussbericht der Kommission "Finanzierung lebenslangen Lernens",
der im Juli 2004 vorgelegt wurde. Gerhard Bosch, Kommissionsmitglied, stellt die Ergebnisse vor.
Die DEAE nimmt zu dem Schlussbericht kritisch Stellung. Die Stellungnahme
wirft die Frage nach dem Menschenbild auf. Gewürdigt wird die Anerkennung des Konzepts des
"Lebenslangen Lernens" und Bereichs Erwachsenenbildung durch den Bericht. Angefragt werden
die Begründungs– und Legitimationsstrategien und deren eigentliches begriffliches und
analytisches Argumentationszentrum, die "Ökonomie der Humankapitalentwicklung", und in der
Folge, die "Selbstökonomisierung des Menschen". Die DEAE vertritt demgegenüber
entschieden das "Bild vom Menschen, das sich aus dem Begriff der individuellen Würde und
jenseits ökonomischer Leistungen geltenden sozialen Anerkennungen ergibt". Dies müsse
Orientierungsgrundlage für den Bildungsdiskurs sein.
Protestantismus als Bildungsthema rückt die Rubrik "Aus der EEB –
für die EEB" in den Blick. Die Evangelische Kirche der Pfalz nahm das Jubiläum der Speyerer
Protestation 1529 als eine der bleibenden Wegmarken der Reformation zum Anlass, das Erbe des
Protestantismus zu erinnern, sich zu vergegenwärtigen und sich dessen zu vergewissern, was
Protestantismus heute bedeutet, welche Antworten der Protestantismus heute aus dem Glauben an
Jesus Christus auf Zeitfragen geben kann. Dazu leistet der Vortrag Margot Käßmanns auf der
pfälzischen Landessynode einen eigenen Beitrag. Realisiert wurde hier ein landeskirchenweites
"Volksbildungsprojekt".
Hinweisen möchte ich Sie noch auf die eingestreuten Fotos in der Rubrik
zur Diskussion. Sie sind dem Bildband und Ausstellungskatalog "wohnungen gottes"
entnommen und zeigen Landschaften, Sakralbauten, Tempel und Menschen, Verweise auf die Gegenwart
Gottes: "berghimmelmensch".
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre
Petra Herre
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Heft 3/2004 - Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser.
Themenschwerpunkte dieses Heftes sind Familienerziehung und Elternbildung.
Dass Kindererziehung heute alles andere als kinderleicht ist, ist allgemein anerkannt und
öffentlich Konsens. Und es ist tägliche Erfahrung von Eltern und allen, die Erziehungsverantwortung
tragen. Gesellschaftliche Wandlungsprozessen in ihren Auswirkungen auf Familien, Veränderungen in den
Erziehungsvorstellungen, Erziehungsstilen und Normen, diverse und komplexe Herausforderungen mit denen
Eltern sich konfrontiert sehen, werfen die Frage nach der Stärkung der –Erziehungskraft–
von Eltern auf. Erziehung ist nicht mehr durch Traditionen geleitet, sondern ein reflexiver
Prozess. Angesichts der gestiegenen Anforderungen suchen Eltern Unterstützung und Orientierung.
Familienerziehung bedarf der Unterstützung durch Bildung. Das vertrat auch die
Jugendministerkonferenz, die im Mai 2003 eine öffentliche Verantwortung für die Förderung der
Erziehung in der Familie ausdrücklich anerkannte.
Die Beiträge in diesem Heft diskutieren die Fragen der Familienerziehung und
der neu reflektierten Bildungsaufgaben mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung: Uta Meier erörtert die
Rahmenbedingungen familialen Zusammenlebens und Erziehens in der bundesrepublikanischen
Leistungsgesellschaft. Annelinde Eggert beleuchtet den Wandel der Erziehungsmuster und entfaltet,
was Kinder für ein gedeihliches Aufwachsen brauchen – nämlich Freiheit(en) und Struktur als
Essenz des pädagogischen Verhältnisses und der ihm inhärenten Grundparadoxie. S
igrid Tschöpe–Scheffler stellt entwicklungsfördernde und entwicklungshemmende Faktoren der
Erziehung zusammen und stellt Überlegungen zur Unterstützung elterlicher Erziehungskompetenz an. Sie
setzt sich mit verschiedenen Elternkursen und Elterntrainings auseinander, die mehr oder minder boomen,
und befragt die zugrunde liegenden Menschenbilder und die grundgelegten wissenschaftstheoretischen
Ansätze. Der Text ist auch ein Beitrag zur Urteilsbildung im Blick auf den Einsatz der verschiedenen
Kurse in der Evangelischen Erwachsenenbildung. Adelheid Smolka diskutiert auf dem Hintergrund von
empirischen Befragungen welchen Informations– und Bildungsbedarf Eltern im Erziehungsalltag
formulieren und Hermann Liebenow stellt unter dem Aspekt Prävention neue Ansätze zur Bildungsarbeit
mit Familien aus der Sicht der Erziehungsberatung vor. Mit der religiösen Erziehung in jungen
Familien setzt sich Ulrich Schwab auseinander. Auch hier ist ein Ende der Traditionsleitung zu
konstatieren. Religiöse Erziehung heute ist subjektorientiert und bedarf der Reflexion und der
eigenen Positionierung, stellt Schwab fest. Er arbeitet die Bedeutung einer Strukturhilfe für
Kinder in dem sensiblen Bereich der Sinn– und Wertfragen heraus.
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Was lesen Sie noch in diesem Heft:
Der Beitrag von Joachim König entwirft das Modell einer partizipativen Qualitätsentwicklung für
die Erwachsenenbildung und beschreibt den Prozess des Organisationslernens mit seinen Problemen und
Chancen.
Martin Vetter referiert die Ergebnisse einer Befragung der Teilnehmenden einer Evangelischen
Stadtakademie. Ob der Befund "Niveaumilieu und postmaterialistischer Lebensstil"
verallgemeinerbar ist, und was er für das Bildungsmarketing, für die Gewinnung neuer Zielgruppen und
die Programmplanung bedeutet, stellt Vetter zur Diskussion.
Ein Blick auf die Erwachsenenbildung in der DDR wirft das narrative und
kommentierte Interview Aribert Rothes mit Wolfgang Bartel, Mitarbeiter der Evangelischen
Erwachsenenbildung in Sachsen, veröffentlicht anlässlich von dessen altersbedingtem Ausscheiden aus
der hauptamtlichen Berufstätigkeit. Erwachsenenbildung ist Existenzform. Identitätslernen steht im
Zentrum. In dieser Bildungsbiographie vermittelt sich das individuelle und gesellschaftliche
Bildungsgeschehen.
Ihrer Aufmerksamkeit seien weiter die beiden Arbeitshilfen zur religiösen
Erziehung und ihren Voraussetzungen der EEB Niedersachsen und der Beitrag zum Thema Migration und
Integration, erarbeitet im Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe, empfohlen.
Das Programmatische Leitbild für eine nachhaltige Familienpolitik und mehr
Familienfreundlichkeit vertreten von der "Allianz für die Familie", einem Bündnis aus
Wirtschaft, Verbänden und Politik wird dokumentiert. In der Rubrik "Dokumentation" lesen Sie
noch den Aufruf zur Woche des ausländischen Mitbürgers ⁄ Interkulturelle Woche 2004.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre
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Heft 2/2004 - Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser.
Die "Macht der Bilder" macht dieses Heft in einer zweifachen Weise zum Thema:
"Zur Diskussion" gestellt werden Geschlechterbilder und
Geschlechterkonstruktionen, die das Leben von Frauen und Männern prägen, deren Beständigkeit und
Wandel. Der Beitrag von Elisabeth Hartlieb nimmt in historischer Perspektive den Wandel der
Vorstellung von Geschlecht in den Blick und stellt Friedrich Schleiermacher, den "Kirchenvater
des modernen Protestantismus", als Beispiel für den ambivalenten Umgang der protestantischen
Theologie mit der Geschlechterthematik vor. Auf diesem Hintergrund folgert Hartlieb:
"Geschlechtergerechtigkeit ist keineswegs eine der protestantischen Theologie von außen
oktroyierte Aufgabe, sondern begründet sich aus der dialektischen Bestimmung von Gleichheit qua
Gottesebenbildlichkeit und Differenz qua Geschöpflichkeit". Geschlechterdifferenz ist
ein Paradigma für menschliche Differenzen überhaupt, aber historisch und anthropologisch
besonders ausgezeichnet augrund der Verbreitung und der Reichweite der Bedeutung. Hier
besteht für Theologie und Kirche ein besonderer Handlungsbedarf um die
"herrschaftsgesättigte" und "heterosexuelle Matrix" des Geschlechterverhältnisses
in ihrer Ungleichheit und Ungerechtigkeit produktiven Wirkung zu hinterfragen.
Der Ansatz des Gender Mainstreaming ist ein Versuch, die Genderthematik
systematisch zu bearbeiten und Veränderungsimpulse umzusetzen. Ingeborg Kerssenfischer, Genderbeauftragte
der Nordelbischen Kirche, stellt das Konzept zur Implementierung des Gender–Mainstreaming–Verfahrens
vor, das 2010 abgeschlossen sein soll. Damit versucht ein Verbund von Landeskirchen einen eigenen Weg, wie schon andere
gesellschaftliche Organisationen im Vorlauf. Die Heinrich Böll Stiftung ist in diesem Feld besonders
innovativ und produktiv, was Begriffsbildung und Konzeptentwicklung anlangt. Hier bzw. im Umfeld
der Stiftung wurde der Begriff der Geschlechterdemokratie und wurden Strategien zur Umsetzungen
entwickelt und erprobt. Davon erzählen Gabriele Schambach und Henning von Bargen, beide Mitarbeitende
der Stabsstelle Geschlechterdemokratie der Stiftung.
Der zweite Schwerpunkt des Heftes ist die Macht der Bilder im Film. Der
Film ist in unserer stark durch visuelle Impulse bestimmten Zeit wirkmächtiges (Leit–)Medium.
Auf diesem Hintergrund hat die Filmarbeit der Kirchen ihren Finger am Puls der Zeit. Filme sind
Beiträge zur Sinndeutung des Lebens und haben religionsproduktive Wirkungen, indem sie religiöse
Motive wie Schuld, Sünde, Erlösung und Befreiung in Geschichten und Bilder umsetzen. Zwischen
Kino und Kirche existiert eine "Parallel– und Contra–Geschichte der Bilder",
konstatiert Inge Kirsner in ihrem Aufsatz "Filmische Passionen", der das
"Erlösungsmedium Film zwischen Ästhetisierung und Konkretisierung gesellschaftlicher Prozesse"
reflektier. Filme registrieren wie Seismographen gesellschaftliche Erschütterungen. Das gilt in
besonderem Maße für Gewalt als "dem Thema des neuen Jahrtausends".
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Dieses uralte und
brandaktuelle Thema nimmt auch der Film "Die Passion Christi" auf, der die letzten Stunden
Jesu blutig ausmalt. Der Film bleibt im Konkretistischen. Ihm gelingt der Dreischritt
Gewalt–Tod–Verwandlung nicht. Die im Vorspann versprochene Dimension des
Friedens und des Heils teilt sich nicht mit. Der Film biete eine Religiösität, die nur aus
reiner Oberfläche besteht: "Es ist was es ist, nichts dahinter, nichts darüber hinaus, nichts
was eine Auslegung bräuchte& ", schreibt Georg Seeßlen in seinem Beitrag. Und Hans Werner Dannowski
kommentiert: "in die Realismus–Falle geraten". Dem Auferstandenen begegnet man hier nicht.
Der Film wurde heftig kritisiert und diskutiert, besonders in kirchlichen Kontexten.
Das Thema "Väter und Söhne", die Beziehung zwischen einem lange
abwesenden und plötzlich wiederaufgetauchten Vater und seinen zwei Söhnen als Kampf zwischen
Autorität und Auflehnung, wird in dem zweiten Film dargestellt, dem zwei Beiträge in diesem Heft
gewidmet sind (K. Visarius und H.W. Dannowski). "The Return" des russischen Regisseurs Andrej
Svjagincev inszeniert einen archaischen Mythos von Liebe und Hass zwischen Vater und Söhnen und
schafft damit eine "Parabel für zutiefst krisenhaftes, aber zuletzt doch gelingendes Leben".
Dieser Film wurde mit dem Templeton Film Award 2003, dem wichtigsten europäischen kirchlichen
Filmpreis, ausgezeichnet. Mit diesen Beiträgen rückt auch das Engagement der Evangelischen Kirche im
Bereich der Filmkultur in den Blick, das seinen Ort im "Filmkulturellen Zentrum" des GEP
(Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik) hat.
Weitere wichtige Themen dieses Heftes sind: Die Konzeption zur
Arbeitsweltbezogenen und berufsbezogenen Weiterbildung als einem Handlungsfeld der EEB von
Günter Boden und der Beitrag von Christian Schwindt, der kirchliche Bildungsarbeit unter
urbanen Bedingungen diskutiert. Die Vorstellung des Grundtvig–Projektes zur Förderung der
interkulturellen Kompetenz und zur Verbesserung des Dialogs von Verwaltungen, MigrantInnen und
Migrantenselbstorganisationen durch die Projektleiterin Matilde Grünhage–Monetti führt die
Themenlinie der foren 4⁄03 und 1⁄04 fort, wo in verschiedenen Beiträgen Interkulturelle
Kompetenz als Schlüsselkompetenz professionellen Handelns in der Einwanderungsgesellschaft diskutiert
wurde.
Ihrer Aufmerksamkeit empfehle ich noch die Arbeitshilfen, die Besprechungen
und die Dokumentation, die wichtige Publikationen und Texte aus den Bereichen Eltern– und
Familienbildung, Erziehungsfragen, Erwerbstätigkeit von Müttern im europäischen Vergleich,
Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorstellen. Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen
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Heft 1/2004 - Editorial
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Veränderungen sind ein Schnittpunktthema dieses Heftes.
Das forum Erwachsenenbildung hat sein "outfit" verändert. Das schien uns nach sieben Jahren geboten. Der Umschlag ist zweifarbig geworden und soll unverwechselbar sein. Das Seitenlayout ist neu gestaltet. Wir wollen das forum Erwachsenenbildung ansprechender und leserfreundlicher machen und hoffen auf die Zustimmung unserer Leser und Leserinnen.
Die gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungsprozesse sind tiefgreifend und haben weitreichende Konsequenzen. Die Grundprämissen der industriellen Moderne sind in Frage gestellt. Die Umbrüche gehen ans ‘Eingemachte’ "in der Gesellschaft, in der Kultur, in den privaten Welten und an die Identität der Subjekte". In der Ökonomie sind die Grenzen von Wohlstand und Wachstum erreicht, betont Heiner Keupp in seinem Beitrag. Das hat gravierende Auswirkungen für den Beziehungsbereich. Familien und soziale Netzwerke sind kein Schonraum. Als Chiffren der Veränderung sind in aller Munde: Individualisierung, Pluralisierung, Enttraditionalisierung, Globalisierung. Keupp analysiert diese Trends und skizziert die Zukunft der Beziehungsgesellschaft. Er beschreibt den"Formwandel" sozialer Beziehungen, ohne sich den Verfalls- und Zerfallsdiagnosen anzuschließen und stößt auf ein neues Sozialbewusstsein und ein neues "Leben im Netzwerk".
Brigitte Stolz-Willig konkretisiert diese Analyse im Blick auf bundesrepublikanische Familienstrukturen und setzt ihre eigenen Akzente. Das gängige Ernährermodell und die Halbtagserwerbstätigkeit von Frauen tradierten die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Stolz-Willig fragt die Leitbilder und Realitäten von Familie und Geschlechterordnung kritisch an. Sie sieht hier einen erheblichen Modernisierungsbedarf und setzt auf Politik, gesellschaftliche Konsensbildung und auf betriebliche Mitbestimmungsmöglichkeiten. Die heutige Situation in der BRD entspricht weder den veränderten Bedingungen in der Arbeitswelt, wo das stabile (männliche) Normalarbeitsverhältnis zum "Auslaufmodell" wird, noch dem Wandel des Geschlechterverhältnisses. Weiterhin diskutiert sie die Belastungen des Verhältnisses von Familie und Arbeit durch die zunehmende Flexibilisierung und die Entgrenzung von Arbeit und Leben. Die Zerstörung von freundschaftlichen und familialen Bindungen, die "Entwertung des Ortes", an dem man arbeitet, das Ende der klassischen Berufslaufbahn sind gesellschaftliche Folgen der Flexibilität, dieses "Zauberwortes des globalen Kapitalismus" (R. Sennett).
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Die angesprochenen Veränderungen in Arbeitswelt und Erwerbstätigkeit belegen
detailreich und datengesättigt die Ausführungen Werner
Dostals vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Der Strukturwandel, ein höherer
Qualifikationsbedarf, neue Berufe, offene Arbeitsformen, Veränderungen des Arbeitsmarktes und in der Beschäftigung, die Zukunft einer
schwindenden Unternehmensstabilität sind neue Entwicklungen, die entsprechende persönliche wie strukturelle Anpassungsbedarfe anzeigen.
Das Thema Familie und Arbeitswelt wird noch in weiteren Beiträgen aufgenommen: Familienarbeit erweitert persönliche und im Erwerbsleben
vertretbare Kompetenzen, das ist der Ansatz des Projektes "Familienkompetenzen als Potenzial einer innovativen Personalpolitik"
aus dem Deutschen Jugendinstitut (DJI), das eine Brücke zwischen beiden Bereichen schlägt.
Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf als einem zentralen gesellschaftlichen Anliegen hat der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge eine Erklärung veröffentlicht, die den dringlichen gesellschaftlichen Handlungsbedarf nennt. Der 1. Teil der Erklärung ist in der Rubrik "Dokumentation" veröffentlicht, der 2. Teil folgt im nächsten Heft.
Neue Aspekte nehmen diese Beiträge auf: Petra Neddermeyer berichtet über ein erfolgreiches Projekt
zur Medienerziehung aus Niedersachsen, Aribert Rothe über einen Ansatz medialer Elternbildung aus Thüringen. Ein Bericht über
zwei Tagungen der DEAE zum Thema Familienerziehung, Erziehungskompetenzen und Elterntrainings stellt die Arbeit des Referats
Familienbezogene Bildung vor. Die 21. Arnoldshainer Filmgespräche beschäftigen sich mit Filmen zum Thema Familie.
Weitere Themen dieses Heftes sind:
Helmut Strack nimmt kritisch-dekonstruktiv Leitbegriffe der aktuellen Weiterbildungsdebatte "ins Visier und
aufs Korn". Petra Dahlemann berichtet über die Initiative "Kunst bewegt" im Dekanat München, die in dreijährigem
Turnus die "Artionale" veranstaltet und neue Musik und Gegenwartskunst in Kirchen und Gemeinden bringt. Einen
kunsthistorischen Spaziergang durch die Geschichte der Moderne unternimmt Manfred Richter, der die Ausstellung "Das MoMA in Berlin"
vorstellt. Im "Forum Bildungspolitik" wird die Stellungnahme der DEAE-Mitgliederversammlung zur Qualitätsentwicklung und
Zertifizierung zur Diskussion gestellt.
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Heft 4/2003 - Editorial
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"Reflexionen interkultureller Bildungsarbeit" bietet dieses
Heft an. Den Schwerpunkt bildet die Dokumentation der Tagung "Differenzen und Dominanzen",
die von der Kommission für theologische und religiöse Bildung der DEAE vorbereitet wurde. Ziel
war eine grundlegende und pädagogisch verantwortbare Position jenseits eines "technologischen
Professionalitätsverständnisses" im Diskurs über interkulturelle Bildung zu finden, die kritisch
und geschichtsbewusst ist. So kamen Begriffe, Sichtweisen, scheinbare Selbstverständlichkeiten
auf den Prüfstand.
Paul Mecheril setzt sich sehr grundlegend mit der Frage auseinander
"Was heißt eigentlich fremd?" Ausgehend von der Fremdheitserfahrung der "Fremden"
beschreibt er Fremdheit als perspektivabhängiges und relationales Phänomen. Sie ist keine Eigenschaft
der "Anderen" sondern ein Konstrukt, also gemacht. Fremdheit erscheint häufig als
"Interessenprodukt" und ist mit Machtverhältnissen verknüpft. Mecheril plädierte für eine
"Pädagogik der Fremdheit". Neben der Anerkennung der Fremden ist eine beständige Reflexion
und Veränderung der Schemata bedeutsam, mit denen wir zwischen fremd und eigen, zwischen
"Wir" und "Nicht–Wir" unterscheiden.
Einen Beitrag zu der von Mecheril geforderten Historisierung der
Freund–Nicht–Freund–Unterscheidung leistet der Text von Astrid Messerschmidt
"Postkoloniale Kritik und das Ende der interkulturellen Versprechen". Er verweist darauf,
dass die Ordnungen westlicher Gesellschaften und deren Normen auf kolonialer Erfahrungen aufbauen
und auf der Unterwerfung von Regionen der Welt, in denen Menschen lebten, die als fremd angesehen
wurden. Deren Präsenz in westlichen Gesellschaften bringt heute die "Fremdheit der Kolonialisierten"
zur Darstellung. Der Beitrag bürstet viele Selbstverständlichkeiten und Annahmen interkultureller
Pädagogik gegen den Strich: die Forderung, dass Verstehen "nötig" und Voraussetzung der
Akzeptanz der "Fremden" sei; die Fixierung auf kulturelle Differenz. Er fokussiert die
sozialen Verhältnisse in der Einwanderungsgesellschaft und fordert eine Politisierung der
Konfliktlagen. Das bedeutet die Aufforderung an die Erwachsenenbildung zum Perspektivwechsel.
Der Beitrag von Anja Weiß beleuchtet den "Rassismus wider Willen".
Er untersucht das Konfliktpotenzial interkultureller Auseinandersetzung. Die vielfachen Erfahrungen
aus der Anti–Rassismus–Arbeit zeigen, dass es zu tiefgreifenden Konflikten zwischen
"gutwilligen" Deutschen und Ausländern kommt. Diese führt Weiß auf kulturelle
Machtasymmetrien zurück. Zwischenmenschliche Konflikte in interkulturellen Partnerschaften sind in
makrosoziologische Ungleichheitsverhältnisse eingebettet. Aus diesen Einsichten resultieren
Konsequenzen. Im Konkreten bedeutet dies bestehende Machtungleichheiten wahrzunehmen und
anzuerkennen, sich politisch damit auseinanderzusetzen, geeignete Formen für eine Kompensation
bestehender Ungleichheiten zu suchen und in der Bildungsarbeit an den unterschiedlichen Erfahrungen
anzuknüpfen.
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"Interkulturalität und interreligiöses Lernen" entfaltet der
Aufsatz von Dirk Christian Siedler theologisch, philosophisch und praktisch. Die Kulturtheologie Paul
Tillichs und Wolfgang Welschs Konzept der Transkulturalität geben Leitlinien für Projekte
interreligiösen Lernens und des interreligiösen Dialogs. Interessante Praxismodelle aus der
Elementarpädagogik und der Erwachsenenbildung liefern die Anschauung. Die interreligiöse Arbeit in
Mannheit stellt der Beitrag von Bekir Alboga vor.
Auch die Rubrik "Aus der EEB – für die EEB" stellt Beiträge
zum Schwerpunktthema vor. Die Praxis eines vorbildlichen Modells des interreligiösen Dialogs lässt der
Bericht von Lidwina Meyer lebendig werden: Die Interreligiöse Sommeruniversität der Evangelischen
Akademie Loccum, eine Art "Familienkonferenz nach Gordon", zu der sich die drei Geschwister
Juden-tum, Christentum und Islam zusammenfinden, um sich auszutauschen über wichtige Fragen des
Zusammenlebens, um zu streiten, um Brücken zu bauen&
Friederike Höher reflektiert den Ansatz von Managing Diversity und
dessen Produktivität. Aus Thüringen kommen zwei Berichte: Thomas Ritschel stellt das bewährte
Projekt der Weimarer Sommerkurse vor. Silke Luther skizziert zwei Beispiele generationenübergreifenden
interkulturellen Lernens: Eine internationale Lernpartnerschaft und eine Seminarreihe zum Thema
Zwangsarbeit. Wie interreligiöse und interkulturelle Fragestellungen in der gemeindlichen
Bildungsarbeit vorkommen, schildert der Beitrag Martin Bocks über eine Kinderbibelwoche.
Welche Herausforderungen das Altern von MigrantInnen für unsere Gesellschaft
bedeutet, macht der Bericht über das Fortbildungsprojekt "Kultursensible Pflege" für Personal
in der Altenpflege deutlich, das federführend vom DIE durchgeführt wurde.
Ausdrücklich hingewiesen werden soll noch auf den Bericht
"Markenzeichen mit Magnetkraft", der die Arbeit des Ökumenischen Bildungszentrums
sanctclara in Mannheim vorstellt und auf den grundlegenden Beitrag von Andreas Seivert
"Für des Menschen Menschlichkeit. Reflexionen zur berufsethischen Orientierung pädagogischer
Professionen".
Petra Herre
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Heft 3/2003 - Editorial
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Der Themenschwerpunkt dieses Heftes beleuchtet
die Erwachsenen- und Weiterbildung aus der weiblichen Handlungsperspektive und fragt
nach der Zukunft der Frauenbildung. Er dokumentiert wesentliche Beiträge und Denkschritte der
5. Frauenkonferenz der DEAE. Die Auseinandersetzung mit der Weiterbildung in
weiblicher Handlungsperspektive geschieht im Rückblick und im Ausblick, in persönlicher
Betroffenheit und mit analytischem Tiefgang.
Frauenbildung steht nach dreißigjähriger Praxis
auf dem Prüfstand und vor Entwicklungsaufgaben. In diesem Bereich mit profilbildender
Funktion für die Evangelische Erwachsenenbildung sind große Veränderungen zu konstatieren:
Sowohl in der traditionellen als auch in der emanzipatorischen Variante als politische
Handlungsform findet Frauenbildung heute nur noch ein begrenztes Echo. Marie Sichtermann zieht
das persönliche Fazit: "die Lust ist raus". Frauen hätten weniger Lust zusammen zu
kommen und zusammen zu lernen als früher. Das emanzipatorische Bildungsanliegen dagegen könne
aufgrund der realen Situationen von Frauen heute ebenso Geltung beanspruchen.
Frigga Haug, wie Sichtermann eine der Protagonistinnen der
Frauenbewegung, fragt nach den Lebensentwürfen und Orientierungen von Teenies heute
(Jungen und Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren), die sie mit denen der Teenies von 1980 vergleicht.
Sie sucht nach den "Knackpunkten" der Selbstunterdrückung und setzt auf die
Bewusstseins- und Erinnerungsarbeit. Haug findet bei den Teenies des Jahres 2000
mehr Kontinuität denn Veränderung, wobei vor allem die von den Medien produzierten
traditionellen und rollenstereotypen Familien- und Beziehungswelten kritisch in den Blick
kommen. Neue Entwürfe eines "guten Lebens" bleiben für sie Desiderat.
Anders argumentiert Karin Derichs-Kunstmann. Sie begründet nach einer
Bestandsaufnahme der aktuellen Situation die Notwendigkeit einer eigenständigen Frauenbildungsarbeit,
fordert eine Neuorientierung was Ziele und Zielgruppen anlangt und eine Neubestimmung des
Standortes autonomer und feministischer Bildung heute. Dann diskutiert sie
Begründung, Bedeutung und Einsatzbereiche des Gender-Ansatzes in der Erwachsenenbildung.
Frauenbildung ist ein Ansatzpunkt der Veränderung des Verhältnisses der Geschlechter in
Richtung auf mehr Chanchengleichheit, Gleichstellung und Gerechtigkeit. Ein neues Konzept
liegt mit dem Gender Mainstreaming vor, dessen Leitprinzip es ist, Chancengleichheit für
Frauen und Männer in alle Politiken und Aktivitäten zu integrieren. Was das für die
Weiterbildung und die Einrichtungen der Weiterbildung bedeutet, skizziert der 2. Beitrag von
Karin Derichs-Kunstmann.
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Ulrike Heuer reflektiert auf dem Hintergrund von Professionsentwicklung
und von Innovationen in der Weiterbildung Bildungsansätze "für die weibliche
Handlungsperspektive". Ihr Beitrag benennt Grenzen feministischer Konzepte und ihrer
Fokussierung auf die Problematisierung und Veränderung von Geschlechtscharakteren. Sie stellt Konzepte vor,
die die strukturell verankerten Ungerechtigkeiten in Organisationen thematisieren und bearbeiten und
zum politisch-demokratischen Handeln anleiten, um "auf vielen Ebenen entschlossener gegen
Ungerechtigkeit und undemokratische Geschlechterverhältnisse vorzugehen".
Was lesen Sie noch in diesem Heft: Irene Ebert und Jörg Knoll stellen
die Workshopreihe des Modellprojektes von DEAE und Arbeit und Leben "Qua-litätsentwicklung im
Verbund von Bildungseinrichtungen" vor. Drei Beiträge nehmen Fragen der Altersbildung auf.
Hans-Gerd Klatt berichtet über Erfahrungen und Ansätze zur Bildungsarbeit mit Älteren aus
dem Bildungswerk Bremen. Tobias Kläden und Stefan von der Bank stellen eine Studie zur
religiösen Entwicklung im Erwachsenenalter vor, die an der Universität Bonn entstanden ist, und auf die
zentrale Bedeutung der religiösen Selbstreflexion und der Bearbeitung von
Sinnfragen in der Bildungsarbeit mit Älteren verweist. Der Beitrag von Elisabeth Bubolz-Lutz präsentiert
das Projekt "Pflegepartner werden" zum Engagement für Menschen im 4. Lebensalter und zur
Unterstützung pflegender Angehörige. Im Zentrum steht das Fortbildungskonzept.
Petra Herre berichtet von einer Fachtagung zum Fortbildungsbedarf professionell
Handelnder in der Erwachsenenbildung, bei der eine empirische Erhebung vorgestellt und diskutiert wurde,
die am Lehrstuhl von Prof. Dr. Wiltrud Gieseke (Humboldt Universität zu Berlin) entstand und einen großen
Bedarf an theoretischer Reflexion und Vergewisserung zeigt.
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Heft 2/2003 - Editorial
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"Maßstäbe für Bildung" macht dieses Heft in mehrfacher Weise zum Thema. Die gegenwärtige Krise unseres Bildungssystems, die Beschreibung unserer Gesellschaft als Wissens- und Lerngesellschaft, der Anspruch lebenslang zu lernen und der Trend zur Ökonomisierung von Bildung fordern eine Reflexion und eine Vergewisserung der Maßstäbe von Bildung heraus. Solidarität und Mündigkeit sind Eckpfeiler eines christlichen und protestantischen Bildungsverständnisses.
Im Zentrum dieses Heftes steht die Denkschrift der EKD "Maße des Menschlichen. Evangelische Perspektiven in der Wissens- und Lerngesellschaft". Sie will einen eigenen, theologisch begründeten Beitrag zur gegenwärtigen Bildungsdiskussion geben und ein auf die humane Qualität von Bildung fokussiertes Bildungsverständnis entwickeln. Die Denkschrift setzt sich mit den kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen des aktuellen Bildungsdiskurses kritisch auseinander und bezieht Position für einen subjekt- und biographieorientierten Bildungsansatz. Bildung soll zum "selbstverantwortlichen Handeln" und zur "verantwortungsbewussten Mündigkeit" befähigen, denn selbständiges Denken, soziale Sensibilität und kulturelle Kompetenz seien Voraussetzungen um die tiefgreifenden Veränderungen in unserer Gegenwart zu bewältigen. Vier Beiträge setzen sich mit der Denkschrift auseinander. Günter Böhm, Mitglied der Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kindheit und Jugend erläutert Fragestellungen, Intentionen, Leitlinien und Argumentationsfiguren der Denkschrift. Sie versuche biblisch-theologische Perspektiven über den Menschen dialogisch in die Besinnung über Bildung und Menschsein einzubringen und beschreibt, was aus kirchlich-christlicher Sicht Anforderungen an zeitgemäße Bildung sind. Arthur Frischkopf, Direktor des nordrhein- westfälischen Landesinstitutes für Qualifikation, würdigt die Stärken der Denkschrift, wobei er besonders deren "mehrdimensionales und integriertes Verständnis von Bildung", sowie die kritische, der "Klärung der Sachen" verpflichtete Position gegenüber modischen Allgemeinplätzen hervorhebt. Er sieht in der Denkschrift einen wichtigen Beitrag wider die "Halbbildung". Kritisch merkt Frischkopf an, dass die Gender-Perspektive in der Kammer noch nicht angekommen zu sein scheint, und dass die politische Dimension und die Perspektive der Gestaltbarkeit gesellschaftlicher Verhältnisse nicht in den Blick komme. Ein Ziel von Bildung müsse auch das "aktive Sich- Einmischen in gesellschaftliche Angelegenheiten" sein. Hans-Gerhard Klatt, Leiter des Bildungswerkes Bremen und Vorsitzender der DEAE, sieht die Denkschrift auf der ,Höhe der Zeit' in dem Bemühen, einen zeitgemäßen und zukunftsfähigen Bildungsbegriff zu formulieren. Zugleich aber leiste sie sich das "Manko" das Erfahrungspotenzial der Evangelischen Erwachsenenbildung nicht abzurufen und bleibe so etwas ,blutleer' und "subjektlos" in ihren Thesen. Helmut Strack, Leiter der EEB der Badischen Landeskirche, setzt sich mit der Denkschrift in der Form einer Rezension (60ff) auseinander.
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Auch er kritisiert, dass die Bedeutung und die Leistungen der Erwachsenenbildung in der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens und des Alltags nicht angemessen wahrgenommen werden. Zum anderen aber setze die Denkschrift im aktuellen Diskurs einen Kontrapunkt: Gegenüber den derzeitigen Privatisierungs- und Deregulierungstendenzen im öffentlich verantworteten Bildungssystem setze die Denkschrift auf Ordnungspolitik und fundiere mit ihrem anthropologischen Ansatz die öffentlich zu verantwortende Aufgabe einer Bildung mit dem Ziel "verantwortungsbewusster Mündigkeit".
"Solidaritätsfähigkeit" (W. Klafki) ist heute eine der Grundfähigkeiten, die für Bildung konstitutiv ist. Das sieht auch die Denkschrift so, die Solidarität intergenerationell und gesamtgesellschaftlich in den Blick nimmt. Gesellschaft als Ganzes muss allen Menschen dienen. Gemeinwohlorientierung setzt beim einzelnen ethische Urteilsfähigkeit voraus. Dazu gehört vor allem die Fähigkeit, eigene Perspektiven zu relativieren und mit anderen Perspektiven abzugleichen. "Global denken, lokal handeln" ist zur Maxime vieler Christen in der ersten Welt geworden.
Solidarität in ihren verschiedenen Stufen und Dimensionen ist Gegenstand des Beitrags des Kieler Sozialphilosophen Hauke Brunkhorst. Er zeigt die Entwicklungen des Solidaritätsbegriffes auf und fragt danach, ob sich die Solidarität der Bürgergesellschaft globalisieren läßt? Voraussetzung dazu wären regionale oder globale Äquivalente für den demokratischen Rechtsstaat. Diese sind m. E. nicht in Sicht.
Was lesen Sie weiter in diesem Heft: Die Serie "Genderperspektiven" präsentiert ein Gespräch mit der Erziehungswissenschaftlerin Elisabeth Rohr, das nüchtern und in wohltuender Klarheit die durchschnittliche Realität der Beziehung zwischen Männern und Frauen beschreibt. Die Lektüre ist geeignet Genderkompetenz zu vermitteln.
Der Beitrag von Petra Herre stellt vor dem Hintergrund der Bildungsdiskussionen neue Entwicklungen und Akzentuierungen im Bereich der Familienbildung zur Diskussion.
Zwei Beiträge widmen sich historischen Themen: der Entstehung und Bedeutung des christlich-marxistischen Dialogs für die christliche Bildungsarbeit und der Rolle Milan Machovecs und der Arbeit und Wirkungsgeschichte der Evangelischen Akademien in der DDR.
Vier innovative Projekte aus der Erwachsenenbildung stellt der Bericht über die zweijährlich stattfindende Verleihung des Innovationspreises des DIE vor.
Neue Projekte aus der EEB sind der Fernstudienkurs Feministische Theologie und die Projekte in Hessen und Berlin, die unter dem Titel "Sarah und Hagar", Religion, Politik und Gender reflektieren.
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Heft 1/2003 - Editorial
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Qualität oder Qualitätssicherung in der Erwachsenenbildung: ja oder nein? Das ist nicht mehr die Frage. Die Diskussionen vom Anfang der 90er Jahre mit manchen Aufgeregtheiten sind überwunden. Heute ist die Aufgabe der Qualitätsentwicklung unstrittig und selbstverständlich anerkannt. In praktisch allen wichtigen gesellschaftlichen Handlungsfeldern wird Qualitätsentwicklung und -sicherung gefordert. Die Überlegungen beziehen sich weniger auf das Ob als auf das Wie: Es geht um die Passung der Qualitätssicherungssysteme für die jeweiligen Einrichtungen und Arbeitszusammenhänge und um die Gestaltung der Qualitätsentwicklungsprozesse.
In einer Vielzahl von Projekten wurden verschiedene Modelle und Maßnahmen des Qualitätsmanagements erprobt.
Die DEAE beteiligt sich seit längerem mit kritischen und fundierten Beiträgen an der Qualitätsdebatte. Und seit Oktober 2002 führen die DEAE und der Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben unter dem Titel "Qualitätsentwicklung im Verbund von Bildungseinrichtungen" ein von Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Modellprojekt durch. Es geht dabei um die Entwicklung und Erprobung eines Qualitätsmodells, das den Arbeitsbedingungen kleinerer, dezentral strukturierter und wertorientierter Bildungseinrichtungen und ihrer Landesorganisationen und Verbände entspricht und deren Anliegen und Interessen in die öffentliche Qualitätsdebatte einbringt.
Auch wenn "QS" zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, ist es doch nützlich und erhellend den sozialen Ort und die soziale Funktion des Qualitätsdiskurses zu beleuchten, wie es das hier veröffentlichte Dialogreferat von Professor Jörg Knoll Universität Leipzig und Andreas Seiverth DEAE tut, das auf der Mitgliederversammlung der DEAE im März in Zusammenhang mit der Vorstellung des Projektes vorgetragen wurde. Es geht beim Qualitätsdiskurs um Vertrauensstiftung und den "Umgang mit Unsicherheit und Ungewissheit", es geht um Einflußnahme und Kontrolle und "ums Geld" sowie die Behauptung auf dem Weiterbildungsmarkt. Daß die Qualitätsdebatte in der DEAE ihre Verankerung hatte, lange bevor das Label Q (Qualität) Usus wurde, belegt die Erinnerung von Knoll an die Diskussion um Mitarbeiter/innenfragen in der DEAE in den 80er Jahren und das gleichnamige Projekt, das für die Professionsentwicklung in der EEB von entscheidender Bedeutung war.
Das DEAE/AuL-Projekt selbst stellt der Beitrag "Vorsicht Qualität" von Annette Bruhns und Christiane Liebald vor, der es in die verschiedenen gängigen Verfahren der Qualitätsentwicklung einordnet.
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Die Intentionen, den Ansatz und das Verfahren der Qualitätssicherung für den Bereich der politische Bildung stellt der Beitrag von Hanne Wurzel, der Abteilungsleiterin für die Trägerförderung in der BpB, vor. Dort wurde ein Konzept der Betreuung und Beratung entwickelt und ausgebaut: die Tagungsbetreuung.
Professor Faulstich Universität Hamburg skizziert die Implikationen der Hartz-Gesetze, die einen Paradigmenwechsel in der Arbeitsmarktpolitik bedeuten, und die Konsequenzen für die berufliche Weiterbildung. Die Prioritäten verschieben sich: "von der langfristig angelegten Kompetenzentwicklung hin zu kurzfristigen Wiedereingliederungseffekten", allerdings in nicht vorhandene Arbeitsplätze. "Die Beschäftigungsperspektive beruht auf einer "Wiedereingliederungsillusion'"auf Grund der Erosion von Erwerbsarbeit. Diese paradoxe Politik hat weitreichende Konsequenzen für die Weiterbildungsanbieter: statt Förderung der "Schwachen" "Bestenauslese" (denn der Vermittlungserfolg ist Kriterium der Erfolgsqualität und der Evaluation); "Bildungsgutscheine" als individualistische Alternative zu einer staatlichen Förderung; Verlust der Planungssicherheit - und damit Bestandsprobleme; ein Preis der angestrebten "Marktgängigkeit" bringt Veränderungen der Personalsituation: das (ehemals hauptamtliche) Personal findet sich in der Vorreiterrolle als "neue Selbständige und Ich-AG's" mit all den negativen Folgen für Lernmöglichkeiten.
In diesem Heft präsentieren sich Einrichtungen der EEB mit ihren Programmprofilen: so die Melanchthon-Akademie in Köln, eine typische Stadtakademie und die Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen, die sich im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung mit einzelnen Projekten in ihrer ganzen Vielfalt präsentierte. Weiter gibt es Berichte über die Jahrestagung der Sektion städtische und regionale Bildungsstätten in Görlitz und ein Projekt der interreligiösen Bildungsarbeit in der Evangelischen Akademie Arnoldshain.
Hingewiesen sei noch auf die besprochene Literatur, insbesondere auf das Arbeitsbuch Kirchenpädagogik, das diesem neuaufblühenden Bereich der religiösen Bildung in der EEB neue Impulse geben wird.
Zur Diskussion werden Genderperspektiven gestellt, diesmal aus Frauensicht von zwei Gleichstellungsbeauftragten mit "Ost- und Westbiographie" mit in ihrer spannungsvollen Parallelität und Verschiedenheit.
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Heft 4/2002 - Editorial
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Bildungsperspektiven in der Wissens- und Lerngesellschaft zu formulieren, ist angesichts bildungstheoretischer Diskurse und bildungspolitischer Entwicklungen angesagt. Es gilt, Position zu beziehen und Profil zu zeigen. Und es gilt mit Nachdruck, Einwände gegen gesellschaftliche Modernisierungsprojekte zu formulieren, die im Sinne einer totalen Funktionalisierung jeden selbstbestimmten und subjektbezogenen Bildungsanspruch ad acta legen.
Zwei Hauptbeiträge in diesem Heft bringen Bildungsperspektiven aus protestantischer Sicht in diesen Diskurs ein. Helmut Strack befasst sich in seinem Beitrag, der seinen ursprünglichen Ort in einer Akademietagung hatte, mit Voraussetzungen, Stärken und Zielen der Evangelischen Erwachsenenbildung. Vor dem Hintergrund der Zielbeschreibung für Bildung, nämlich den "vernünftigen Umgang mit der Welt zu lehren" (J. Baumert) und dem Menschen zu einer mündigen Lebensgestaltung zu verhelfen, entfaltet er einen sich normativ verstehenden Bildungsbegriff, der sich am jüdisch-christlichen Welt- und Menschenverständnis orientiert und auf "gelingendes Leben" zielt. Bildung in diesem Verständnis richtet sich zwar am "Wissensbedarf der Zeit" aus, ist aber mehr als die Anhäufung von Wissen. Sie will Orientierung und Maßstäbe vermitteln, Emanzipation und Partizipation ermöglichen, Handlungsspielräume eröffnen und so Zukunftsfähigkeit vermitteln.
Diese Linie zieht Michael Nüchtern aus und vertieft sie historisch und systematisch. Er reflektiert die Beziehung von Kirche und Bildung und beschreibt den Bildungsauftrag der Kirchen als Ausdruck der Kulturgestalt des Christentums. "Bildung ist das Begegnungsfeld von Protestantismus und Kultur" . Protestantismus als "Bildungsbewegung" zielt auf die Förderung von Urteils- und Kommunikationsfähigkeit. Er bestätigt, dass Bildung in erster Linie personen- und nicht nur aufgabenorientiert ist. Und er benennt zeitdiagnostisch die sozialhistorischen Herausforderungen: Gerade angesichts der gesellschaftlichen Wandlungsprozesse bedürfe es der Anpassung und des Widerstands, der Flexibilität und der Stabilität.
Einen Pfad durch den Begriffsdschungel zu legen und Klärungen in politischer Absicht voranzutreiben, ist das Anliegen von Carl Rohrer. Er leuchtet den Begriff "Lernen" aus und skizziert dessen Grundbedeutungen und die aktuellen Begriffsvarianten und Begriffsbildungen wie "nicht-intentionales und intentionales Lernen, selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen" , die von verschiedenen AutorInnen entwickelt wurden. Rohrer ordnet sie und unterschiedet drei Formen und Akteure: "selbstorganisierte Lerner", "selbstgesteuerte Lerner" und "fremdorganisiertes Lernen".
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Diese Klärungen münden in eine Kritik des Ansatzes von selbstgesteuertem Lernen und in ein Plädoyer für die "Erwachsenenbildung" in transitivem Sinne als Prozess, für Erwachsenenbildung als Dienstleistungssparte und für professionelles Personal als LernhelferInnen.
Andreas Seiverth formuliert in seinem Beitrag zum "Forum Bildungspolitik" kritische Anmerkungen und Überlegungen zu den Auswirkungen und Folgen einer Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission auf die allgemeine Weiterbildung.
Petra Herre diskutiert die Genderaufgaben der DEAE vor dem Hintergrund des Konzeptes von Gender Mainstreaming. Der Verband hat sich der gesellschaftspolitischen Aufgabe der Gleichstellung von Frauen und Männern verpflichtet. Jetzt stehen eine neue Diskussion des geschlechterpolitischen Leitbildes und Zielsetzungen der DEAE sowie die Entwicklung eines Instrumentariums zur Umsetzung und die Entwicklung von Bildungskonzepten an, die die Genderperspektive konsequent aufnehmen. Das ist auch ein wichtiger Beitrag zur Organisations- und Qualitätsentwicklung im Arbeitsfeld.
Ein ausführlicher Beitrag schreitet den Themenhorizont und die Denkwege der 5. Frauenkonferenz der DEAE ab, die sich der Aufgabe einer "Re-Vision" stellte und eine Standortbestimmung der Frauenbildungsarbeit zwischen Generationenwechsel und Gender Mainstreaming unternahm.
Der Beitrag aus Württemberg, "40 Jahre EAEW", stellt die Entwicklung des Arbeitsfeldes "Erwachsenenbildung" in seinen verschiedenen Phasen und in seinem Selbstverständnis vor.
Rückblick und Ausblick ist auch das Thema von "Bibliodrama in der dritten Generation" von Antje Rösener, die aus hermeneutischen Überlegungen Anregungen für die Bibliodramaarbeit der Zukunft gewinnt.
Ihre Aufmerksamkeit sei noch auf die Skizze eines Fortbildungsprojekts zur politisch aktivierenden Seniorenarbeit der ESKA-Europäische Senioren-Kultur-Arbeit gemacht, das in Bayern pilotiert wurde.
Besonders hingewiesen ist in der Rubrik Literatur wird auf die vorgestellten Veröffentlichungen zur Kirchensoziologie und auf die Veröffentlichung des Bildungswerkes der Humanistischen Union "Neue Lernarrangements in Bildungseinrichtungen" , das neue Ansätze und innovative Veranstaltungsmodelle vorstellt, die in Museen und Kultureinrichtungen entwickelt und erprobt wurden.
Wir möchten uns an dieser Stelle bei unseren Leserinnen und Lesern entschuldigen für die erhebliche Verspätung, mit der diese Ausgabe unserer Zeitschrift erscheint – einige Gründe lagen bei uns, auf andere hatten wir keinen Einfluss.
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Heft 3/2002 - Editorial
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Familie ist im Gespräch. Familienpolitik hat Konjunktur. Leitartikel und Serien großer und meinungsprägender Tages- und Wochenzeitungen rücken Familie, ihre Dynamiken und Problemlagen ins Blickfeld. Der Blick auf die Plakatwände machte uns kürzlich mit der "Familie Deutschland" in ihrer Vielfalt bekannt, aufgenommen und ins Bild gesetzt von der bekannte Fotografin Herlinde Koelbl.
Familienpolitik, lange Zeit ein "weiches Politikfeld" , erfährt eine deutliche Aufwertung. Es zeigt sich bei VertreterInnen aus Verbänden, Wissenschaft und Politik ein Mentalitätenwechsel, und es setzt sich die Einsicht durch, dass die Zukunft unserer Gesellschaft nicht nur von Wachstumsraten und Aktienkursen abhängt. Der Rat der EKD hat jüngst eine familienpolitische Stellungnahme vorgelegt, die energisch vertritt, "was Familien brauchen" und eigene Anstrengungen wie gesellschaftliches Engagement für Familien ankündigt. Die Einsicht, dass Familie mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung braucht, ist weit verbreitet.
Familie ist "in": Sie erfährt eine große Zustimmung. Für 80 % (1998) der Menschen in Deutschland ist Familie "wichtig bis sehr wichtig" und ein "fester Ankerpunkt" in Zeiten der Globalisierung, der Grenzenlosigkeit und der Unübersichtlichkeiten, der wachsenden Ansprüche an Flexibilität.
Und Familie ist "im Umbruch" . Familienformen und -strukturen verändern sich und unterliegen einer Pluralisierung. Auch das Verhältnis der Geschlechter ist von einer besonderen Dynamik geprägt. Es existieren wirkmächtig nach wie vor die traditionellen Frauen- und Familienbilder. Zugleich widersprechen die herkömmlichen Rollenmuster modernen Lebensführungskonzepten und -wünschen. Und sie kollidieren mit dynamischen Entwicklungen und Veränderungen im Beschäftigungssystem, auf die Stichworte wie Trend zu diskontinuierlichen Erwerbsbiographien, Ausbau der Dienstleistungsgesellschaft, Infragestellung des Vollbeschäftigtenparadigmas nur verweisen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf –immer noch ein "Frauenthema" – scheitert oft an der fehlenden Infrastruktur mit der Konsequenz sinkender Geburtenzahlen.
Dieses Heft stellt verschiedene Problemfelder zur Diskussion und will Interdependenzen und Widersprüche deutlich machen. Der Beitrag von Karin Gottschall skizziert die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt insbesondere die "Anforderungen von Flexibilität und Mobilität" und den Trend zu einer "flexiblen Erwerbsgesellschaft" und beschreibt die Herausforderungen dieser Entwicklungen für Familienpolitik. Gottschall konstatiert einen erheblichen Bedarf "nachholender Modernisierung" für dieses Politikfeld für die BRD im westeuropäischen Vergleich.
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Brigitte Stolz-Willigs Ausführungen schließen hier an. Sie analysiert das (west)deutsche Familien- und Geschlechtermodell, das zu einer "Halbtagswelt" geführt habe. Deren Kennzeichen seien die Fortexistenz des Ernährungsmodells, die Halbtagskultur der Kinderbetreuung und Schule, die Halbtageserwerbstätigkeit von Frauen, die diese auf den Zuverdienerstatus festlegt und die tradierte geschlechtsspezifische Arbeitsteilung festschreibt. Hier sieht auch Stolz-Willig einen gravierenden gesellschaftlichen Reformstau und fordert eine Überwindung der "neoliberalen Ideologie" der Individualisierungen von Problemzuweisungen. Holger Brandes setzt bei Einstellungen und Verhaltensorientierungen an: In seinem Beitrag "Männlicher Familiensinn"skizziert er die Schwierigkeit "Vaterschaft" heute eindeutig zu bestimmen und erwartet nur langfristige Veränderungen der Geschlechtermuster und in der Praxis des Umgangs von Vätern und Kindern. Das bedürfe einer innovativen geschlechtsspezifischen Bildungsarbeit.
Die Beiträge von Gottschall und Brandes wurden im Rahmen des Studientages der Mitgliederversammlung der DEAE im März vorgestellt, ebenso wie die Praxisberichte und Beiträge von E. Hilf, D. Sandbrink, N. Pöckler, M. Rosowski, M. Krämer in diesem Heft. Hier werden die Herausforderungen für die Erwachsenenbildung formuliert, die sich aus Familienentwicklungen, veränderten Geschlechtsrollen und Veränderungen in der Erwerbs- und Arbeitsgesellschaft ergeben. Vorgestellt wird hier die erfolgreiche Vaterarbeit einer Familienbildungsstätte, ein Fortbildungsprojekt für Männerarbeit und Männerbildung, ein Beitrag, der die Konsequenzen der Strukturveränderungen auf dem Arbeitsmarkt für Themen, Curriculas und Settings der Bildungsarbeit aufzeigt, ein Innovationsprojekt aus Nordrhein-Westfalen, das die Wechselwirkungen von Familie und Beruf in den Blick nimmt. Ein Projekt der Evangelischen Erwachsenenbildung Thüringen setzt bei den Schwierigkeiten von Frauen an, nach der Unterbrechung der Erwerbstätigkeit durch Erziehungsurlaub wieder in den Beruf einzusteigen. Durch persönlichkeits- und berufsbezogene Qualifikationen und Qualifikation im Umgang mit neuen Medien will dieses klassische Projekt der Frauenbildung die Chancen von Frauen verbessern.
In diesem Heft beginnt die Veröffentlichung des Interview-Projektes der DEAE-Arbeitsgruppe "Geschlecht und Bildung" mit einem Gespräch mit dem Männerforscher Stephan Höyng. " Genderperspektiven" stellt die biographisch-berufliche Auseinandersetzung mit der Männer- und Vaterrolle vor.
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Heft 2/2002 - Editorial
Bildungsarbeit mit Älteren ist ein wichtiges Arbeitsfeld der Evangelischen Erwachsenenbildung, dessen Bedeutung noch wachsen wird. Das ist nicht nur die Konsequenz des Altersaufbaus der deutschen Bevölkerung, sondern ist auch begründet in dem sozialstrukturellen Wandel und der veränderten Lebenssituation älterer Menschen. Die frühere Freistellung vom Beruf, die Tatsache, dass Menschen heute älter werden, die Auflösung der bisherigen Familienstrukturen, die Problematik der Versorgungsinfrastrukturen begründen Lernbedarfe und sind nach Gestaltung rufende Herausforderungen. Ziele der Bildungsarbeit mit Älteren sind "Autonomie und Sozialintegration" (S. Kade). Selbstbestimmung durch Selbstorganisation sind wesentlich für autonomes Älterwerden. "Selbstbestimmtes Altern" bedeutet, auch in dieser Phase ein selbständiges und selbstverantwortliches Leben zu führen. Partizipation als Mittel der Integration in gesellschaftliche Handlungszusammenhänge und Abläufe gewährleistet ein sozialintegriertes Alter.
Bildungsarbeit mit Älteren folgt einem lebensweltorientierten Ansatz. Lernthemen bzw. Themen der Auseinandersetzung sind die "generationenspezifische Vergangenheit", die gegenwärtigen Lebensbedingungen und Alltagssituationen sowie die Strukturveränderungen des Alters in der Zukunft, die lebenszyklischen Erfahrungen und Übergänge, die sich für die "Jungen Alten" ganz anders als für Hochbetagte darstellen. So wurden Konzepte für das sog. 3. Alter wie für das 4. Alter ausgearbeitet, wobei letzteres erst in jüngster Zeit in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt.
Das vorliegende Heft greift das Thema in seiner ganzen Breite auf. Der Beitrag von Schad leuchtet die Dimensionen des "Alters" und "Alterns" aus. Er reflektiert das Thema im Horizont des christlichen Menschenbildes, das Hilfsbedürftigkeit im Alter und Hinfälligkeit des Alters nicht ausklammert. Mit ihren Leitlinien einer Bildung im 4. Alter, die im Heft vorgestellt werden, hat die KBE diese Lebensphase in den Mittelpunkt gerückt. Die Bezugswissenschaft dieser Lebensphase, die Geragogik mit ihren Praxisfeldern - besonders der Altenbildung - wird von Schramek und Bubolz-Lutz skizziert. Günther Dohmen fordert die stärkere Einbeziehung älterer Erwachsener in das "lebenslange Lernen" und eine höhere Teilnahme Älterer an Weiterbildungsveranstaltungen. Dabei steht die Perspektive des bürgerschaftlichen Engagements und die Übernahme sozialer Aufgaben im Mittelpunkt.
Der Beitrag "Selbstgesteuertes Lernen in der Bildungsarbeit mit Älteren" von Bubolz-Lutz entfaltet ein Konzept, das ein emanzipiertes und mündiges Lernverhalten stärkt. Der Lernbedarf wird hier von den Älteren selbst festgelegt. Sie bezieht sich dabei auf das Projekt "Ehrenamt - eine starke Sache",
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wo der Ansatz mit seinen weitreichenden Konsequenzen für Einrichtungen und pädagogisches Setting praktisch erprobt wurde - die Dokumentation wird in der Rubrik Literatur vorgestellt. Zwei Beiträge diskutieren die Ansätze und die Entwicklungsaufgaben einer kirchlichen Bildungsarbeit mit älteren Menschen grundsätzlich. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe "Alter/Bildung im Alter der DEAE" tauschten sich in einem virtuellen Werkstatt-Diskurs per Mail über das Arbeitsfeld, über Konzepte der MultiplikatorInnen-Fortbildung, die Zielgruppen kirchlicher Altersbildung und Netzwerk-Arbeit aus. Schulze-Bühlmann und Wittrock fordern die Weiterentwicklung der Adressatenorientierung zum Kompetenzmodell, das die Alten nicht als "passive Adressaten" sieht, sondern als "kompetente Akteure ihres eigenen Lebens" und als "Subjekte ihrer je individuellen Suchbewegung".
Die folgenden Beiträge der Rubrik "Aus der EEB - Für die EEB" skizzieren gelungene Praxis und notwendige Innovation vorwiegend aus der Evangelischen Erwachsenenbildung. Sie stellen relevante Lernfelder und Konzepte vor wie Biographiearbeit und Kreativitätskonzepte (Kade, Sautter, Nell/Frank). I. Mauritz präsentiert den Ansatz "Junge Alte" vor und macht auf die Gender-Dimensionen des Alterns aufmerksam. Die Perspektive Sozialintegration, soziale Vorsorge für das Leben im Alter nehmen die Beiträge von Nell und Heetderks auf. K. Nell berichtet über die Netzwerkarbeit in Düsseldorf. G. Heetderks stellt das Qualifizierungsangebot "Inter-Netz" für NetzwerkerInnen vor, das sich an MultiplikatorInnen aus Diakonie und Erwachsenenbildung richtet. In diesen Kontext gehören auch die folgenden Qualifizierungs- und Fortbildungsprogramme für Ehrenamtliche, die neue Handlungsfelder eröffnen, Hilfsnetze knüpfen bzw. dazu anregen, Sozialkompetenz vermitteln: S. Sautter skizziert das Projekt "Mehr Lebensqualität im Alter", das auf freiwilliges Engagement in der SeniorInnenarbeit abzielt.
A. Münchmeier beschreibt ein Projekt, das auf die Mitarbeit im Altenheim vorbereitet. Drei Beiträge variieren das Thema Seniorenbegleitung und Seniorenberatung: A. Münchmeier (speziell für die Betreuungsgruppe "Hochbetagte"), E. Mayer und S. Braun/R. Schimkat. Die Neuen Medien sind Gegenstand oder Vehikel neuer Alltagsanforderungen. Die beiden Beiträge über das Projekt "SOL" - Senioren Online, das das Internet erschließt (A. Scholl, D. Hoffmann), und das Internetprojekt "www.aelter-werden.de" (G. Böhmer, K. Heuer) experimentieren mit neuen Zugängen und Lernsettings. Aufmerksam machen möchte ich noch auf den Vortrag von G. Conen, BMFSFJ, "Familienpolitik vor neuen Gestaltungsaufgaben", gehalten im Rahmen der Mitgliederversammlung der DEAE im März 2002, und auf die "prämissen & thesen bilden - leben - gestalten", die Positionen kirchlicher Erwachsenenbildung im Horizont gesellschaftlicher Herausforderungen formulieren.
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Heft 1/2002 - Editorial
Dieses Heft präsentiert schwerpunktmäßig zwei Themenstellungen der religiösen Bildung: Lebenskunst und Kirchenraum.
In Zeiten der Unübersichtlichkeit und fehlenden Orientierung ist guter Rat gefragt. Das führt nicht nur zu einem Boom der Ratgeberliteratur, sondern lässt auch religiöses Streben und Fragen neu entstehen, wie die neureligiösen Bewegungen, aber auch das Suchen nach alternativen Formen und neuen Wegen zu christlicher Frömmigkeit und Religiosität zeigen. Und die "Philosophie der Lebenskunst" feiert eine Renaissance. Das Ende der Ideologien und großen Visionen, die Ungewissheiten unserer Zeit, die Freisetzungen der Moderne, werfen die Menschen auf sich selbst zurück und lassen das Bedürfnis nach einer bewussten Lebensführung wachsen. Lebenskunst, das ist "Arbeit an sich selbst", um der "Freiheit Form zu geben" (W. Schmid)
Die 6. Konsultation der DEAE zur theologischen und religiösen Bildung, deren Beiträge hier veröffentlicht werden, setzte sich mit dem Thema Lebenskunst auseinander und beleuchtete verschiedene Facetten und Zugänge.
In seinem Beitrag stellt Wilhelm Schmid den Ansatz der Philosophie der Lebenskunst vor und entwickelt, welche Aspekte zu einer bewussten Gestaltung des Lebens gehören. Dabei enthält sich Lebenskunst normativer Vorgaben und entfaltet optativ den Raum der Möglichkeiten.
Eine eigene Antwort auf Ambivalenz, Fragmentarität und Vorläufigkeit als Signum unserer Zeit versucht Gisela Matthiae mit ihren Überlegungen unter dem Titel "Heilsame Unterbrechungen". Die "clowneske Existenz" ist für sie Metapher für ein "Leben auf den Versuch hin" und eine Variante von Lebenskunst, die nicht nur kühle Reflexivität auszeichne, sondern "glückliche Seitensprünge des Denkens und der Existenz".
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Neben Sinnfragen, Fragen der Lebensdeutung und -bewältigung sind es auch Probleme der ethischen Orientierung im persönlichen Leben und in der Gesellschaft, die sich stellen. "Lebenskunst statt Krisenmoral", der Beitrag von Matthias Krieg, stellt ein Ethikseminar vor, das im Auftrag der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich entwickelt wurde und als Publikation "Lebenskunst - Stücke für jeden Tag" vorliegt. Er verfolgt einen tugendethischen Ansatz, wobei Tugend das ist, "was zum Leben taugt". Tugend meint Begabtsein und Können. Damit korrespondieren die Geschichten des Gelingens als Essenz dieses narrativen ethischen Zugangs.
Ein zweites Schwerpunktthema ist die Kirchenpädagogik, die in der Erwachsenenbildung der letzten Jahre eine starke Resonanz findet. Das Potential der Kirchenpädagogik für die Entwicklung neuer und offener Formen kirchlicher Arbeit wird entdeckt. Das führte zur Konzipierung und Durchführung von Langzeitausbildungen von KirchenführerInnen durch die Landesstellen bzw. -einrichtungen für Evangelische Erwachsenenbildung. Diese Ansätze werden in diesem Heft vorgestellt und vergleichbar. Welche Möglichkeiten in der Kirchenpädagogik als Pädagogik des Kirchenraumes liegen, zeigen der Beitrag von Antje Rösener zur Dortmunder Museumsnacht und die Rezension des Berichtes des Vorreiterprojekts aus Sachsen-Anhalt durch Roland Degen. Hier werden neue Wege zur Erschließung des christlichen Glaubens sichtbar.
Weiterhin soll noch auf die Skizze eines interessanten Fortbildungsprojektes des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen hingewiesen werden, das Friederike Höher vorstellt: "Managing Gender & Diversity" ist ein innovativer Ansatz genderbezogener und interkultureller Bildungsarbeit.
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Heft 4/2001 - Editorial
Die Zunahme von Gewalt - weltweit und in unserer Gesellschaft - ist ein bedrückendes Phänomen. Gewalt begegnet in unterschiedlichsten Formen: als direkte und persönliche Gewalt und als indirekte, strukturelle und kulturelle Gewalt. Der Umgang mit Konflikten ist eine Kernkompetenz, die Entwicklung einer konstruktiven Konfliktkultur hat hohe Priorität. Auf diesem Hintergrund ist es von zeitdiagnostischer Valenz, dass der Ökumenische Rat der Kirchen in Harare 1998 zur Dekade zur Überwindung von Gewalt aufgerufen hat, die im Februar 2001 eröffnet wurde und als Jahresthema für 2003 "Familie und Gewalt" fokussiert.
Familie, zentraler Erfahrungsraum und Ort der Personwerdung, leistet als "intermediäre Institution" einen zentralen Beitrag zur Sinnvermittlung und moralisch-ethischen Urteilsbildung. Hierbei spielt das Binnenklima in der Familie und der Erziehungsstil eine entscheidende Rolle. Respekt und Fürsorge sind Leitlinien für eine gewaltpräventive Erziehung. Aufgabe der Erwachsenen- und Familienbildung ist die kritische Auseinandersetzung mit der alltäglichen Gewalt an Kindern und die Stärkung der Erziehungskompetenzen der Eltern.
Diese Themenstellung wird in der Dokumentation des Studientages von EEB Niedersachsen und DEAE in den Beiträgen des Bielefelder Erziehungswissenschaftlers Klaus Hurrelmann und der Psychotherapeutin und Supervisorin Oggi Enderlein in grundlegender Weise bearbeitet.
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Der Beitrag von Detlef Beck stellt ein Trainingskonzept für die innerfamilialen Konfliktbearbeitung vor, das die "Aushandlungsfamilie" stärkt, und Petra Zimmermann stellt als ein Beispiel für familienbezogene Netzwerkarbeit das "Aktionsbündnis für Gewaltfreie Erziehung" in Wolfsburg vor. Die Beiträge von Monika Engel und Christina Heide präsentieren ein Fortbildungsangebot für die Erwachsenenbildung und ein trägerübergreifendes Projekt der politischen Bildung, das in Fachtagungen und Kooperationen mit unterschiedlichen Trägern und MultiplikatorInnen das Konzept "Gewaltfrei erziehen" vermittelt.
Als Hintergrund veröffentlichen wir den Vortrag "Damit "Kain nicht Kain wird". In einer sehr grundlegenden Weise macht der Alttestamentler Frank Crüsemann Gewalt zum Thema, wenn er die Wurzeln von Gewalt und ihre Überwindung in biblischer Sicht ausleuchtet. Zwei Beiträge aus der Praxis der EEB setzen sich mit der Frage der Behandlung von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus auseinander und stellen das Projekt eines Bildungsurlaubs "Gewalt überwinden" vor. Das Diskussionspapier der Frauenarbeit, der Männerarbeit, der Gleichstellungsstellen und des Frauenreferates der EKD zu einem geschlechterdifferenten Blick auf die Gewaltproblematik runden diesen Themenschwerpunkt des forumEB ab.
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Heft 3/2001 - Editorial
Man wird lange suchen müssen, um auf eine öffentliche Debatte zu stoßen, die auch derart intensiv und lange geführt wurde, wie die über Fragen der Biopolitik. Und Einigkeit dürfte darüber bestehen, dass wir Zeugen einer erst beginnenden wissenschaftlichen Revolution sind, die die Grenzen der Verfügbarkeit über menschliches und nicht-menschliches Leben unvorstellbar erweitern und intensivieren werden. In diesem kaum entwirrbaren Geflecht unterschiedlichster Interessen- und Machtstrukturen, Heilungsversprechen und Gewinnerwartungen, Erkenntnisfortschritten und Arbeitsplatzsicherungen wird jedoch leicht übersehen, in welcher Weise dadurch zugleich veränderte Bewußtseinshaltungen, neue Gewohnheiten und Routi-nen der Begründung miteingeführt werden, die der ohnehin existierenden Instrumentalisierungspraxis menschlichen Lebens und des Menschen selbst einen neuen historischen Schub geben und sie gesellschaftlich normalisieren.
Bildung und menschliche Würde im Zeitalter der technischen "Bildbarkeit" des Menschen - lautete das Thema des Festaktes "40 Jahre DEAE". Mit ihm haben wir daran erinnern wollen, dass unser humanes Selbstverständnis auch in seiner säkularen Gestalt von der Erinnerung an die brüchig werdende Überlieferungsgeschichte dessen zehrt, was man immer noch "das christliche Menschenbild" nennt. Für die Erwachsenenbildung geht es darüber hinaus aber gleichsam um die Substanz ihres professionellen Selbstverständnisses, denn sie muß zwar nicht immer und überall, aber doch in den Momenten der öffentlichen Selbstbesinnung auskunfts- und rechenschaftsfähig sein über das Menschenbild (ihre Anthropologie), das ihrer Praxis und Theorie zugrunde liegt. Und von den mehr oder weniger konsequenten "Naturalisierungsstrategien", der unübersehbaren Biologisierung, die große Teile des humanwissenschaftlichen Diskurses bestimmen, ist die Erwachsenenbildung ganz unmittelbar berührt.
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Dabei besteht auch für die Evangelische Erwachsenenbildung die vielleicht nicht geringste Gefahr darin, dass sie sich entweder einer szientistischen Selbstbanalisierung aussetzt oder mit ihren unaufgebbaren theologischen und moralischen Intuitionen und Überzeugungen aus dem öffentlichen Diskurs gleichsam "exkommuniziert" wird.
Gegen diese hoffentlich nur phantasierte Gefahr stehen die hier dokumentierten Beiträge. Sie stehen für einen Versuch, das Thema der Biopolitik mit Grundlagenfragen der Erwachsenenbildung zu verknüpfen. Wir sind selbstkritisch genug, um zu sehen, dass dies nur unzulänglich gelungen ist; vielleicht ist es auch nur die Benennung des Problems; aber schon dies erscheint uns notwendig und sinnvoll, in anderen Publikationsmedien sind wir darauf jedenfalls noch nicht gestoßen. Das damit aufgeworfene Thema haben wir vor einiger Zeit bereits einmal aufgenommen: Im Heft 1/2000 von forum Erwachsenenbildung haben wir unter dem Titel: "Die Arbeit am Menschen - Rückblick auf eine Utopie" eine "erwachsenenpädagogische Auseinandersetzung mit der Ausstellung 'Der Neue Mensch - Obsessionen des 20.Jahrhunderts' " dokumentiert.
Seit dem 11. September 2001 hat sich eine andere, eine in Militäraktionen und neuen Bündnisformationen niederschlagende Obsession entwickelt und ist dabei, unsere Köpfe zu besetzen. Die terroristische Gewalt hat die - wie es inzwischen scheint - fast unbegrenzte Einsetzbarkeit militärischer Mittel in einer ganz neuen Weise legitimiert und den Strategien der Kriegsführung einen offensichtlichen Vorrang vor präventiven und deeskalierenden Strategien verschafft. Darauf reagieren in diesem Heft ein "Zwischenruf" und ein Appell (S. 44) - es sind Ausdrucksformen des Einspruchs, die zumindest einen ersten Eindruck davon geben können, dass diese Zäsur auch in der Erwachsenenbildung ihrer Thematisierung bedarf.
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Heft 2/2001 - Editorial
Dieses Heft thematisiert Fragen der Organisationsentwicklung im Bereich Evangelischer Erwachsenenbildung. Seit Mitte der 90er Jahre rücken Organisationen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Interesse richtet sich auf ihre Strukturen, ihre Eigenschaften, ihr Beharrungsvermögen und ihre Veränderungsbereitschaft. Diese Auseinandersetzung verweist auf den aktuellen Strukturwandel der Gesellschaft und damit auch die Veränderungsdynamik in den Subsystemen wie Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Gesundheits-, Bildungs- und Erziehungswesen. Das hat enorme Auswirkungen auf ganz unterschiedliche Organisationen. Es entsteht die Notwendigkeit, fest eingespielte, z.T. historisch gewachsene Organisationsverhältnisse umzugestalten. Prozesse der Umstrukturierung und Reorganisation in Gang zu setzen. Der Rückgang der öffentlichen und kirchlichen Finanzmittel und Ressourcen auch für den Bereich Bildung auf den unterschiedlichen Ebenen, der zunehmende Kommerzialisierungsdruck, verlangen ebenso organisatorische Antworten wie die Veränderungen bei Angebotsformen und den Modi der Aneignung. Das Konzept der "lernenden Organisation" verweist auf Selbstveränderung durch Organisationsentwicklung, auf Anpassungsbereitschaft und Entwicklungsfähigkeit von Organisationen. Das fordert ein Umdenken auf allen relevanten Handlungsebenen der Organisation. Die DEAE will diese Prozesse unterstützen und begleiten u.a. durch Foren des Austausches, der Vernetzung und der kollegialen Beratung, wie dem hier veröffentlichten Studientag.
Die vorgestellten Beispiele demonstrieren unterschiedliche Entwicklungslogiken. Der Übergang der Mainzer Dependance der Gossner Mission in das Zentrum für gesellschaftliche Verantwortung der EKHN zeigt das Vergehen bzw. die Auflösung einer Teilorganisation und die Überführung der Arbeit in einen anderen organisatorischen Zusammenhang. Der Beitrag von K. Fehrs schildert einen erfolgreichen Kooperationsprozess zwischen der Familienbildungsstätte und der offenen Bildungsarbeit mit Erwachsenen im Kirchenkreis Rendsburg. Am Ende des Prozesses steht das neue, gemeinsame Bildungshaus. Über Erfahrungen der Vernetzung und der produktiven Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Ort - die EEB logiert im "Haus der Familie"in Osnabrück - und die sich daraus entwickelnden Perspektiven berichtet der Beitrag von E. Barth und H. Baethge. Den Ertrag der Praxisbeispiele für Veränderungsprozesse und ihre Gestaltung fasst H. Möskos zusammen. Er weist Kooperationskompetenz als entscheidende Qualifikation aus. Aus dem Arbeitszusammenhang der Fortbildung stammt der Beitrag F. Brachts. Er hebt die Bedeutung von Leitungsstil und Führungskompetenz bei Veränderungsprozessen hervor und empfiehlt eine angemessene Sensibilität.
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Veränderung sind auch der Fokus der Beiträge der Rubrik"Aus der EEB - Für die EEB" . Die 4. Frauenkonferenz der DEAE, deren Workshops hier veröffentlicht werden, diskutierte die Situation im Bereich öffentlicher und kirchlicher Bildungsarbeit aus der Perspektive von Frauen. Dabei standen Fragen der Professionalisierung, des Managements, Marketings und der Öffentlichkeitsarbeit, des Selbstmanagements und des Selbstmarketings im Zentrum: Wie behauptet sich frau angesichts der neuen Herausforderung in ihrem Berufsfeld? Veränderungen im Verhältnis der Geschlechter und im Blick auf die Rollen von Frauen und Männern haben die Beiträge von S. Klink und H. Stapelfeld zum Gegenstand.
Mit der Konjunktur der Moderatorenrolle als "zeittypischer" Aufgabe der Erwachsenenbildung, setzt sich R. Völzke im Blick auf Aneignungsprozesse in Bildungsveranstaltungen kritisch auseinander. Die Funktion von Moderation ist es im Wesentlichen unterschiedliche Positionen zulassen und Begründungszusammenhänge transparent zu machen. Aber nicht alles ist Moderation: Völzke buchstabiert die einzelnen Veranstaltungstypen durch, definiert das Aufgabenfeld und dekliniert die jeweiligen Rollenanforderungen.
Politische Erwachsenenbildung in Thüringen: eine Bilanz nach zehn Jahren zieht der Beitrag A. Rothes. Er berichtet vom "Restschwung" eines Neuanfangs und solider Alltagsroutine und lässt in spannender Weise Teil haben an der gesellschaftlichen Entwicklung "im Osten".
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